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Italienische Reisebriefe des Grafen Geßler an Christian Gottfried Körner.
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Lin Wort für unsre Volksfeste

tonsurirte Pfaffen und 18 000 Nonnen, Bei so vielen Lehrern der reinste» Moral so viel Jmmoralität zu finden ist doch unglaublich. In keinem ketzerischen Lande ist das Volk so verderbt als in denen, wo die Ketzerei noch gar keinen Eingang gefunden hat. Das erkläre mir der Cherub Don Calmet oder wer sonst Beruf dazu hat.

Die französischen Commissarien sind abgereist. Faeanlt ist noch hier, ein ge­scheuter, stiller Mann, der weuig auskommt und, wie er behauptet, am Frieden mit dem Papst und der Republik arbeitet. In Rom ist es ganz stille und ruhig geworden, kein Mensch denkt mehr au Krieg. Das Publikum scheint die Gefahr vergessen zu haben. Es sind die Octobervilleggiaturcn, alles geht spazieren nnd kann also an sonst nichts denken.

Wir arbeiten uus durch alles Sehenswerthe durch. Ein Engländer hier sagte jemandem: „Gottlob, heute Vormittag habe ich wieder eine Galerie und zwei Kirchen abgefertigt," uud Stauislas Pototzky hatte seinem Sohn alles gezeigt nnd fuhr itzt, weil ihueu gar nichts mehr übrig blieb, auf den Kirchhöfen herum. Der junge Mensch war aber auch so gelehrt geworden, daß er sich über die Frescogemälde in der Villa Bracciano äußerte, er halte sie nur für Copien. Der wird also nicht wie der Vater. Senfft wird als ein großer virtuose, wiederkommen. Er hat sogar Stunde im Zeichnen genommen, ist es aber bald überdrüssig geworden. Wir führen eine recht vernünftige Lebensart, pranziren um 6 und nehmen nur ein leichtes Frühstück um 12, das uus gar uicht iu unsern Arbeiten stört. So sollte man in der ganzen Welt leben. Wir lesen itzt Theocrit mit großem Vergnügen. Ich em­pfehle Ihueu Hylas, die Dioseoriden, den ganzen Theocrit, über alles aber Ihren

Geßler.

Rom d. 21. Octob. 1796.

(Schluß folgt.)

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Ein Wort für unsre-Volksfeste.

or wenigen Teigen hat man in Bernan das vierhuitdcrtfüufzigjährige Jubiläum der Befreiung der Stadt von den Hussiten gefeiert. Am 12. Juli soll in Liegnitz das Mannsschießen erneuert werden, das seit 1870 eingegangen ist. Auch dieses war ein historisches Erinnernngsfcst, welches sich in ein wirkliches Volksfest verwandelt hatte. Auch an manchen andern Orten scheint es sich gerade in diesem Jahre zu Gnnsten der alte» deutschen Vvlksgebrüuche zu regen. So finden denn viel- leicht die nachfolgenden Betrachtungen über dieselben freundliche Aufnahme und Beherzigung.

Die Sitten und Gebräuche im deutschen Volksleben beruhen auf Über­lieferung aus dem deutschen Altertume. Sie haben Züge sowohl aus der heid­nischen wie aus der christlichen Vorzeit aufbewahrt. Diese enthalten an und für sich schon manches, das uns jetzt befremdet, sind aber auch mit mancherlei

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