Oom güldnen faulen Handwerk.
von Georg Bobort ag, 1.
g-uxer udi<iu«z.sg,vvt — so soll, wie der Verfasser des „Robinson" berichtet, Elisabeth von England ausgerufen haben, als sie auf der Fahrt durch das schöne, reiche Albion die Schaaren bettelnder Armen an der Heerstraße liegen sah, und das berühmte Gesetz vom Jahre 1606, der Anfang der modernen Armenpflege, war die Fracht dieser allerhöchst eignen Inspektion der Bettlcrplage. I'-iupvr uviauv Mvst — das ist auch heute noch das Thema, welches in mancherlei Variationen in Wort uud Schrift in allen Teilen Deutschlands zum Vvrtrag kommt, und wahrlich arg genug lauten die Klagen über die Zahl, die Frechheit und die Not der Bettler und Vaganten, dieser „Elenden" in des Wortes ältester Be- dentnng, selbst ans den schönsten und reichsten deutschen Gauen,
Schon lange vor Elisabeth hatte man in England von staatswegeu den Kampf gegen das faule Schmarotzergewerbe des Bettelns aufgenommen, und zwar mit scharfen Waffen. Halseisen nnd Gefängnis drohten nach einem Gesetz von 1361 dem Bettler, mit Kerker und Peitsche strafte eiu Edikt von 1530 den Arbeitsunfähigen, der den Fremden um eiue Gabe ansprach, und den Arbeitsfähige» hieß es das erstemal an den Karren binden nnd auspeitschen, im zweiten Falle sollte er die Ohren verlieren, im dritten durch den Strang vom Leben zum Tode befördert werden. Im Jahre 1547 wurde bestimmt, daß der arbeitsfähige Arme, welcher drei Tage müßig gehe, mit dem glühenden Eisen gebrcmd- mnrkt werde und daß er dem Dennnziantcn zwei Jahre lang ohne Lohn, nur um spärlichen Unterhalt als Knecht dienen solle, und seit 1572 wollte man gar eineu jeden Bettler gleich zum erstenmale mit Ohrabschneiden strafen, das zweitemal mit dem Tode. Viel sanfter wurde anch auf dem Kontinent nicht mit den Fechtbrüdern verfahren. In Frankreich stand die Galeere auf das Betteln für jeden Mann zwischen sechzehn und siebzig Jahren; Staupenschlag, Stock, Kerker und Strang Ware» in Deutschland die Waffeu, mit deueu unsre Voreltern gegen das „güldene faule Handwerk" der Bettler zu Felde zogen. Aber trotz dieser Regeln, welche die sozialen Heilkünstler der guten alteu Zeit gegen das Gift des Bettelbrots verordneten, überschwemmten doch in schlechten Zeiten, wenn Krieg, Mißwachs und andre Plagen Handel und Wandel störten, immer wieder Schaaren von Bettlern das Land, wie hartnäckiges Ungeziefer jedes äußerlichen Mittels spottend.