Die ägyptische jrage.
n den letzten Wochen ist die ägyptische Frage wieder stark in den Vordergrund getreten, ihre Lösung wird aber anch diesmal nur eine vvrläusige seiu, wie in allen Stadien, die sie bisher durchlaufen hat. Sie ist schon lange auf dem Tapet, genau genommen schon seit dem Beginn des sechzehnten Jahrhunderts, nnd das kann nicht Wunder nehmen, da das untere Nilthal, ganz abgesehen von seiner Fruchtbarkeit, offenbar eine große Bestimmung hat. Es ist zu einer Hauptstation des Völkerverkehrs geschaffen, ein Bindeglied zwischen Europa nnd Südostasien. An der Schwelle der neueren Geschichte scheidet sich der Seeweg nach dem letztern vom Landwege, der seine Niederlage in Ägypten hatte und dieses mächtig bereicherte. Darum ersuchte der Sultan von Kairo 1504 den Papst, den christlichen Völkern den Seeweg um Südafrika nach Indien zu untersagen. Albu- querque dagegen sah Portugals dortige Herrschaft nur für den Fall gesichert, wenn es den Landweg beherrschte und ihn aller Welt verschließen konnte. Deshalb besetzte er Aden am Eingänge ins Rote Meer uud Ormuz am Persischen Golfe und dachte an Ableitung des Nil ius Rote Meer, wodurch Ägypten zur unbewohnbaren Wüste werden sollte. Nachdem dann der praktischen Politik der Blick für die Bedeutung Ägyptens abhanden gekommen, fand er sich in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts wieder ein, als der Verkehr englischer Schiffe zwischen Bombay nnd Suez lebhafter geworden war, und 1774 untersagte die Pforte diese Schifffahrt der „schurkischen Sekte der Christen," welche die Inder zn ihren Knechten gemacht hatte.
Andrerseits hatte sich Leibniz bemüht, den Franzosen die Wichtigkeit Ägyptens begreiflich zu machen. Er sah dnrch Ludwig den Vierzehnten das deutsche Reich bedroht uud glaubte den Ehrgeiz des Königs und seiner Räte durch den Hinweis ans ein nicht minder lockendes Ziel ablenken zu können. Grenzbowi II- 1382. 4V