Beitrag 
Die irische Frage.
Seite
309
Einzelbild herunterladen
 

Die irische Frage.

eit vor etwa drei Wochen das englische Parlament wieder zu­sammengetreten ist, hat, wie vor seiner Vertagung, die irische Frage die Hauptrolle gespielt und alle andern Gegenstände der Beratung aus dem Wege gedrängt. Sie ist, das zeigt sich je länger je mehr, entschieden die wichtigste der Fragen, deren Lösnng dem Ministerium Gladstone obliegt, aber bis jetzt ist die Schwierigkeit dieser Lösung eher gewachsen als geringer geworden, und das erste und letzte Wort, dem man in der Londoner Presse begegnet, ist Irland.

Gladstone hat vor einiger Zeit öffentlich geäußert, daß dieser Teil des Ver­einigten Königreichs Grvßbritannieu sich im Zustande der Revolution befinde. Er hat lange gebraucht, ehe er das erkannte. Irland war bereits in jenem Stadium angelangt, als er vor zwei Jahren in Mitlvthian auf den Sturz des Ministeriums Beaconsfield hinarbeitete, welches die Lage richtiger begriffen hatte nnd sich auschickte, dem Übel mit den allein wirksamen starken Mitteln zu Leibe zu gehen. Der Streit zwischen Gutsbesitzern und Pächtern, das Feldgeschrei: Keinen Pacht zahlen!", die Landliga, das Sammeln von Geldern zu Agita­tionszwecken waren nur Symptome einer tieferlicgenden Gefahr, des Strcbcns nach Zerreißung des britischen Reiches. Nicht um eine agrarische Reform han­delte es sich, nicht um Gerechtigkeit gegen die große Masse der ackerbauenden Bevölkerung, uoch weniger nm Gleichstellung der religiösen Bekenntnisse, sondern um Auflösung der Union zwischen Irland einerseits und England, Schottland und Wales andrerseits, um ein selbständiges irisches Parlament und eine irische Armee, die bei einem Kriege mit einer auswärtigen Macht an die Seite der letzteren getreten wäre. Diese Gefahr hat Gladstone verkannt, als er dem Not­stände mit milden Repressionsmitteln zu steueru versuchte, uud die Folge ist eine Grenzboten II. 1882, 40