Lin neues Werk von Eduard von Hartmann.
293
in dem Buche Feuerbachs nicht an schiefen Urteilen über kunstgeschichtlichc Frage,: und Personen,*) Aber es ist die Pflicht der Künstler, an der allgemeinen Bildung nicht nur teilzunehmen, sondern auf der Höhe derselben zu stehen, weil die Kunst an geistigem Gehalt verlieren und allmählich zu Grunde gehen muß, wenn die Künstler außerhalb der litcrarischcu Bewegung bleiben. Der Anfang des Ruins ist nicht mehr zu übersehen. Einen Waruuugsruf zu rechter Zeit erhoben zu haben, mag er auch als verdrießlicher Mißtvn in viele Ohren klingen, war der Zweck dieser Zeilen.
Berlin. Adolf Rosenberg.
Ein neues Werk von Eduard von Hartmann»
eit einiger Zeit liebt es der Antvr der „Philosophie des Unbewußten" seine Leser in weitlänfig angelegten Werken geraume Zeit gänzlich vergessen zu lassen, mit wem sie es zu thun haben, um zuletzt nur durch wenige Andeutungen sie darau zu erinnern, oder auch durch Gelegenheitsschriften spezielleren Inhalts ihucu ein gesundes Urteil auf konkreten Gebieten zu zeigen, wodurch gleichfalls der ihnen sonst bekannte Hartmann zeitweilig für sie verschwindet. So haben vor kurzem die „Grenzboten" den politischen, ziemlich optimistischen Ansichten des Pessimisten zustimmen können; so haben wir früher auf den etwa 900 Seiten der „Phänomenologie des sittlichen Bewußtseins" eine fruchtbare und lehrreiche Musterung aller ethischen Standpunkte und Moraltheorien gefunden, während nur etwa der letzte halbe Bogen des Werkes uns in überraschend veränderter Tonart, abrupt und herausfordernd, glanben machen wollte, die Lehre von der Erlösung des au dem Weltdasein krankende» Gottes durch mannhaftes Streben, diesem Weltdasein allmählich den Garaus zu machen, sei mit organischer Notwendigkeit aus der Kritik aller andern ethischen Prinzipien als das einzig wahre hervorgewachsen. Ähnlich ergeht es uns in vorliegendem neuen Buche Hart-
*) Ich zitirc nur ein Beispiel. Feucrbach wirft einmal in dem Abschnitt „Kunstausstellungen" die Frage auf: „Was würden Rnffael und Tizian, Rubens und van Dyck gesagt haben, wenn man ihnen zugemutet hätte, ihre Werke einer mit Vcrloosnng verbundenen Gewerbcansstellung zu übergeben!" Was Raffaol dazu gesagt haben würde, ist zweifelhaft, da wir zu wenig nun seinen Kunst- und Lebcnsanschauungcn kennen. Von den drei andern kann man aber mit Gewißheit sagen, daß sie sich nicht einen Augenblick besonnen haben würden, vorausgesetzt, daß man ihnen ihren Preis gezahlt hätte. Alle drei huldigten im Geldpunkte durchaus realistischen Ansichten.