Die Leipziger Mundart.
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das bis jetzt geführt hat, wissen wir. Wohin es weiter führen wird? Gewiß zu nichts der Art, daß man sich freuen könnte, wenn unsre Benthmniten, oder sagen wir die Parteien in Deutschland, welche ähnlichen Grundsätzen wie jene huldigen, wenn Fortschritt und Sezession die von ihnen erstrebte Herrschaft erreichten.
Die Leipziger Mundart.
eernse, wissen Se nich, wo de Leblaaistraße is?"*) — „Nee, hecrusc, sehnse, das weeß ich Sie ooch uich," Dies kurze Zwiegespräch kennzeichnet den Leipziger, der gern jede Anrede mit „Hecrnse" einleitet, wie er seiner Verwunderung am liebsten durch die für ihu charakteristischen Worte „lieber gar!" Ausdruck verleiht. Doch sein Hauptliebliugswort ist das berühmte „nu ähmd (eben)," das eine Zustimmung in den verschiedenartigsten Nuancen ausdrückt, und dessen häufiger Gebrauch die, wo es sich uicht um das Theater handelt, im allgemeinen friedfertige Gesiminng des Leipzigers doknmentirt. Daß er überhaupt eiue weichgcstimmte Seele ist, giebt er durch die zahlreichen, die Wörter sanft ausklingcn lastenden e zu erkennen, die er nicht nur, wo irgend möglich, in Bildung nnd Flexion beibehült, sondern auch uoch au ewigen unmöglichen Stellen zugiebt.
Wer nicht das Glück gehabt hat, solche Beobachtungen in Pleiß-Athen persönlich anzustellen, kann alles dies und noch viele andere ähnliche interessante Dinge ans dem kürzlich erschienenen, mit großem Fleiße zusammengetragenen Buche lerueu, in welchem Karl Albrecht den in seiner Vaterstadt und deren Umgegend gesprvcheueu meißnischeu Dialekt schildert.*")
Es ist bedauerlich, daß der Verfasser zu diesem seinem regen Sammelfleiße nicht auch eine größere Einsicht in die geschichtliche Entwicklung unsrer Sprache mitbringt. Er zieht zwar mit großem Eifer auch andre deutsche Dialekte zur Verglcichung heran, er führt zwar hin und wieder auch altdeutsche Formen auf, aber man merkt, daß es sich dabei nur um eine rein lexikalische Kenntnis der ältern Sprachstnfe handelt; bei tieferm Eindringen auch iu die Struktur derselben würde sein Buch vielfach eine andre Gestalt gewonnen haben.
*) Die nach der ehemaligen Besitzerin eines kürzlich parzellirten Gartcngrniidstnckcs getaufte, Lcplay - Straße ist gemeint.
**) Die Leip zigcr Mundart. Grammatik und Wörterbuch der Leipziger Volkssprache, Zugleich ein Beitrag zur Schilderung der Volkssprache im allgemeinen. Von I)r. Karl Albrecht, Ncnlschuloberlehrcr zu Leipzig. Mit eiuem Vorwort von Professor vr. Nndolf Hildebrand. Leipzig, Arnoldische Buchhandlung, 1831.
Grcnzbotcii II. 1882. 28