Beitrag 
Neue Mitteilungen über Caroline Neuber.
Seite
82
Einzelbild herunterladen
 

82

Zehn Auflagen.

hebt und in der Manier jener Zeit die moralische Wirkung der Schaubühne betont. Der Senat zeigte jedoch für die Bestrebungen der Neubcrschen Truppe nicht das gleiche Verständnis wie der Herzog Karl Friedrich von Schleswig- Holstein dessen Privileg gleichfalls hier zum erstenmale abgedruckt ist und schlug die Bitte ab.

Was uns der Verfasser über die Zeit des allmählichen Sinkens der Trnppe neues zn sagen weiß, bezieht sich fast ausschließlich auf die Personalien des Neubcrschen Ehepaares. Die literatur- uud kulturgeschichtliche» Ergebnisse dieser letzten Partien des Buches siud überaus dürftig, zumal da der Verfasser die für die Nefvrmbeweguug so verhängnisvolle Konkurrenz der französischen und der österreichischen Wandertruppen ganz unberücksichtigt gelassen hat. Hoffen wir indeß, daß das beigebrachte neue Material recht bald zu einer Biographie verwertet werde, die der Wichtigkeit des Gegenstandes angemessen ist und höheren Anforderungen entspricht.

Die Verlagshandlung hat den Wert des Buches durch getreue Nachbil­dungen älter Handschriften und Theaterzettel in dankenswerter Weise erhöht. Am Anfange finden wir auch ein Porträt der Neuberin, leider nicht die getreue Wiedergabe eines authentischen Bildes, sondern nur eine mit Benutzung alter Porträts willkürlich entworfene Phantasiezeichnung.

Leipzig. !V. Lreizenach.

Zehn Auflagen.

ie poetische Vegetation zeigt gegenwärtig eine solche Üppigkeit, daß wohl nur noch gewerbsmäßige Rezensenten und müßige Damen sichauf dem Laufenden" zu erhalten vermögen. Wen andre Beschäftigungen in Anspruch nehmen, ohne daß er darüber den Sinn für die Erscheinungen im geistigen Leben der Nation ein­gebüßt hätte, der darf nicht ohne wehmütige Empfindnng daran denken, daß es eine Zeit gegeben hat, welche mehr Zeit hatte, in welcher aber auch nicht so große Anforderungen an die Zeit gestellt wurden, eine Zeit, wo der neue Musen­almanach oder ein neues Drama Genuß und Stoff zu ästhetischen Erörterungen für viele Monate gewährten. Und wenn wir Heutigen auch nicht alles bewun­dern mögen, was unsre Grvßeltern entzückte, so können wir doch im großen und ganzen ihren Geschmack nicht tadeln; wir bilden uns sogar ein, manches Werk besser zu schätzen als sie es thaten, und was für sie deu Reiz des Neuen hatte, ist für uns das immer neu bleibende Alte, Vertraute. Dieses wollen wir um

V