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Die Fortschritte in der antiken Kunstgeschichte während des letzten Jahrzehnts : 4.
(Schluß.)
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Die Fortschritte in der antiken Kunstgeschichte während des letzten Jahrzehnts.

von Hugo Blii inner. 4, (Schluß.)

ines der glänzendsten Ereignisse in der Geschichte der archäolo­gischen Entdeckungen ist die Auffindung der praxitelischen Gruppe des Hermes mit dem kleinen Divnysosknaben, ohne Zweifel der größte Gewinn der Ansgrabnngen von Olympia, welcher allein und an nnd für sich schon die auf das ganze Unternehmen verwandten Kosten gelohnt hätte. Als man die Nike des Paionios fand, da galt dies schon als etwas Großes. Endlich einmal hatte man ein wirk­lich beglaubigtes, authentisches Originalwerk eines griechischen Meisters der besten Zeit! Und nun wollte es ein gütiges Geschick, daß unter den zahllosen Kunstschätzen, die in Olympia in der Altis und in den Heiligtümern aufgestellt waren und die fast alle dem Verderben anheimgefallen sind, gerade ein Original­werk des lieblichsten Meisters der attischen Kunst, des anmutvollen Praxiteles, nns erhalten blieb; nicht ganz unversehrt zwar, aber in seinen unverletzten Teilen dafür von so tadelloser Erhaltung, wie man sie nur selten au antiken Bildwerken findet. Das Glück war in der That so groß, daß es anfangs nicht an Zweiflern fehlte, welche dem ungläubigen Apostel gleich an die Auferstehung gar nicht glauben wollten; jn selbst der glückliche Finder, Gnstav Hirschfeld, wollte zuerst (in seinem Artikel in der Deutschen Rundschau für 1877, Bd. VIII, S. 286 ff.) die Figur, welche mau nach ihrem Fundort im Heraivn für die von Pausauias dort erwähnte und als Werk des Praxiteles bezeichnete Grnppe zu halten nicht umhin konnte, nur als ein aus dein Atelier des Meisters, nicht von ihm selbst herrührendes Werk betrachten, und O. Benudvrs sprach, aller­dings zunächst nicht vor dem Abgüsse, sondern nur angesichts der ersten Publi­kation von Georg Treu („Hermes mit dem Dionysosknaben," Berlin, Was- muth, 1878), die Vermutung aus, daß die Statue nicht von dein alten und berühmten Praxiteles, sondern von einem minder berühmten gleichnamigen Enkel herrühre (Kunstchronik für 1878, Nr. 49, S, 777 ff.), dessen früher allgemein angenommene Existenz jetzt freilich überhaupt sehr problematisch geworden ist. Allerdings hatte dies skeptische Verhalten gegenüber dem neuen Funde seinen besondern Grund. Nicht zwar, daß die Arbeit an und für sich nicht hervor­ragend genug schiene, als daß man sie einem großen Meister wie Praxiteles hätte zuschreiben dürfen; die Statue ist vielmehr durchweg mit einer graziösen