Beitrag 
Das sinkende Rom in der neuern deutschen Poesie.
Seite
12
Einzelbild herunterladen
 

Das sinkende Rom in der neuern deutschen Poesie.

^« «

^M>^> »<

^MWR5^

Inäs glisvnro HaKitia ot i»t»mi». Vix !U'ti.dus donostis piittor rstinoiui', nodmn intvr oortainiii^ vitivium puäioitiÄ mit inoäostiu, Ä»t c^uicciu^m ^iodi mori8 rosvr- VÄrstur.

Tacitus' Amml^ii, 14. Buch.

eit zurück liegen die Tage, in denen Daniel Casper von Lvhen- stein schwülstigen Angedenkens seine TragödienAgrippina" und EpichariS" schrieb »ud die Schatteu des kaiserlichen Roms nppig-gleißende uud blutige Schatten zugleich heraufbeschwor. Die Vorliebe der gelehrten und in Greueln schwelgenden Drama­tiker des siebzehnten Jahrhunderts für das kaiserliche Rom und Byzanz war wohlbegrüudet; jener dunkle Drang, welcher die poetische Natur oft wider ihren Willen zwingt, ihre geheimsten Gesiunuugeu und Empfindungen anszusprechen, leitete jeue Dichter zu deu Stoffen der neronischen Zeit.

Geht etwas ähnliches in den letzten Jahrzehnten vor? Ist es ein Zug iuuerer Notweudigkeit oder nur eiue weitverbreitete Reflexiou, welche den neuesten deutscheu Dichter» das sinkende Rom mit seiner materiellen Hhperkultur und seiner übergoldete» Barbarei vor Augen stellt? Zeigen sich die Analogieen der Triumvirn- und Jmperatorenzeit mit der Gegenwart so uuimttelvar, sind sie sv überwältigend, daß sie einen Epiker nnd Rvmandichter, einen Dramatiker nach dem andern zu Tiberius, Nero und Domitian, zu Messaliua und Agrippina, zu Catilina uud Spartakus zurücklvcken? Ist es Blut von unserm Blut, Lebe» von unserm Leben, was nnsre Dichter in dein ersten Jahrhundert vor und den nächsten Jahrhunderten nach der Geburt des Erlösers erkennen? Oder hat eine konventionelle Vergleichuug unsrer Tage mit denen der Ccisaren die zahlreichen Dichtungen ins Leben gernfm, die von HalmsFechter von Ravenna" an bis zur Frankfurter PreistragödieDie Patrizierin" von Richard Voß und Ecksteins historischem NomauDie Claudier" reichen? Sind nur die Geister der Nach­ahmung und der Spekulation, die beide unsre Literatur schädigen, wieder einmal beim Werke vder ist die Bevorzugung der römischen Kaiserzeit als historischer Hintergrund poetischer Darstellungen in der That eine Offenbarung über uuser Leben?

Wenn wir die Dinge von außen ansehen, so wollen sich verzweifelt wenig Vergleichspunkte zwischen unsern milden, maßvollen und bis zur Unpersöulichkeit an den Staat hingegebenen Fürsten und den phantastischen Selbstherrschern des römischen Weltreichs zeigen, sv existirt kein schärfrer Abstand als zwischen der