Der
österreichische Liberalismus und die Läuderbcmkaffaire.
o sehr sich auch in manchen Dingen der österreichische Liberalismus von dem deutschen nnterschcidet, so stimmt er doch vollständig mit ihm überein in der Methode der Bekämpfung der Regierung. Jede passende oder unpassende Gelegenheit wird im Parlament zn den heftigsten Angriffen gegen das Ministerium benutzt, die ganze monvpvlisirte und wohlvrganisirte Presse trägt die Rede» in alle Lande hinaus, kaut ihren Inhalt Tag für Tag in endlosen Variationen wieder, und wenn anch gelegentlich die überlegtesten Behauptungen sich als unwahr herausstellen — was thuts? Das Publikum ist Wochen laug aufgereizt worden, die Berichtigungen ziehen flüchtig an ihm vorüber, wen» sie überhaupt cm sein Ohr dringen, und so ist in der Regel die systematische Verhetzung gar nicht wieder gnt zn machen. Der oppositionelle Liberalismus kämpft auch in Österreich unter der Devise: (!«Iuiu,»i»rv lmäactm-, 80inper .rlnmicl dseret.
Wie sehr die Opposition immer bereit ist, ans jedem Vorkommnis Waffen gegen die Regierung zu schmieden, das hat sich am widerlichsten wohl bei der Interpellation Duinba über die Ningtheaterkatastrophe gezeigt. Als jenes Ereignis die Bevölkerung in den tiefste» Tiefen aufgewühlt hatte, als jede »»- überlegte Anschuldigung, jede absichtliche Verleumdung die schlimmsten Folgen nach sich ziehen konnte, da entblödete sich die Minorität, ohne Beweise, ohne nähere Kenntnis der betreffenden Perl>ält»isse die schwersten Anklagen gegen die Negiernng zn schlendern, »ud als der Ministerpräsident mit vollem Rechte darauf aufmerksam machte, daß nicht zunächst die Polizei, sondern der demokratische Gemeinderat die Sicherheit in den städtische» Schauspielhäuser» zu überwachen habe, da kmmte die W»t a»f der linken Seite keine Grenzen mehr. Der Minister, welcher sich erfreche, derartige Antworten zn geben, würde überall
Gn>u,',lwtm II. 1882. 1