Vier Festreden von Julius Schnorr von (Larolsfeld.
Mitgeteilt aus seinem Nachlasse,
ür den handschriftlichen Nachlaß des Malers Julius Schnorr von Carolsfeld hat sich der Erbe uoch nicht gefunden, der befähigt und gewillt gewesen wäre, das darin gebotene Material zu einer Darstellung der Geschichte seines Lebens nnd der Knnstbestrebungen seiner Zeit zu verarbeiten. Man kann dies bedauern, da die geschichtlichen Quellen bis jetzt nnr spärlich fließen, ans denen die Reformbestrebungen, welche sich nn das Auftreten der deutscheu Künstler in Rom und die Namen von Cornelius, Overbeck nnd Schnorr selbst knüpfen, genauer erkannt, Irrtümer, denen die Beurteilung dieser Männer gegenwärtig ausgesetzt ist, berichtigt werden könnten. Aber für die Wahrheit des historischen Gesammtnrteils über die Bedeutung Schnorrs und der von ihm vertretenen Kunstrichtung kann es doch schließlich nur eiu Gewinn sein, wenn jene kunstgeschichtliche Arbeit nicht eher an das Licht tritt, als bis die so rasch wechselnden, so jäh in ihr Gegenteil sich verkehrende« Tagesmeiuungcn aufgehört haben werden, dieses Gesammt- urteil zu beeinflussen. Denn es steht erfahruugsmäßig fest, daß in der Würdigung der Wirksamkeit hervorragender Männer kein Zeitalter ungerechter zu sein pflegt, als dasjenige, welches unmittelbar auf ihreu Tod folgt, Belege für diese Erfahrung stünden reichlich zu Gebote; doch ein Hinweis allein ans die Geschichte der Beurteilung Goethes dürfte alle übrigen Belege entbehrlich machen. Der Einsender dieses vermeidet es um mehrerer und ganz verschiedenartiger Nrsachen willen, seinerseits mit einem geschichtlichen Urteile über die künstlerischen Bestrebungen hervorzutreten, welche in Rom ihren Ausgangspunkt hatten und später sich in München zu der bekannten großartigen Thätigkeit entfalteten. Nur das eine will er hervorheben, indem er auf die hier mitgeteilten Festreden Schnorrs aus den Jahren 1844 bis 1846 hinweist, in wie hohem Grade in diesen Reden als ein für die KnnsttlMigkeit der Zeit charakteristisches Merkmal jene mit Thatkraft und Unteruehmungslust vcrbnndene ideale Begeisterung zum Ausdruck kommt, welche das Emporblühen deutscher Kunst in den ersten Jahrzehnten unsers Jahrhunderts als einen Teil des nationalen Aufschwungs erscheinen läßt, der dem neunzehnten Jahrhundert in der Geschichte des' deutschen Volkes dauernd sein besonderes Gepräge geben wird.
1.
Meine verehrten Freunde, die Benachrichtigung von Ihrem Vorsatze, auch in diesem Jahre eine festliche Zusanuucnkunft mir zu Ehren zu veranstalten, erregte das Verlangen in mir, mein Herz wieder einmal gegen Sie auszuschütten.