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Das Vermächtnis Anselm Feuerbachs.
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Glossen eines Deutschen im Auslande.

Da Feucrbach nicht zahlen wollte oder konnte, wnrde er mit wöchentlichen Exe­kutionszetteln und Strafandrvhnnge» geplagt. Schließlich nahm dieses nnqnali- fizirbare Verfahren, das nur in Wien möglich ist, eine so unangenehme Wen­dung, daß Fcuerbach für geisteskrank ausgegeben wurde,Es ist das schlimmste," schreibt er,was man einem ehrlichen Menschen zufügen kann." Erst 1876 wnrde die Steuerforderung durch Ministerialverfügung kassirt nnd nach Fenerbachs Tode die eingezahlte erste Rate zurückgezahlt. Warum? Weil das österreichische Kultusministerium einen Teil der fertigen Bilder abgelehnt und die Bestellung auf die noch fehlenden Bilder für den Plafond zurückgenommen hatte. Ein solches Maß der Kränkung hätte selbst eine stärkere Natur als Feucrbach'nicht ertragen. Wohl hatte er Recht, als er iu schwermütiger Resignation folgende Fassung für seine Grabschrift vorschlug:

Hier liegt Anselm Fenerbach,

Der im Leben manches malte,

Fern vom Vaterlandc nch-

Das ihn immer schlecht bezahlte.

An der Not und an den erbärmlichen Kleinigkeiten des täglichen Lebens ist diese geniale Natur langsam zu Grunde gegangen. Es bedürfte nur eines kleinen Anstoßes, damit die nur noch schwach flackernde Leuchte erlosch. Die ungünstige Aufnahme seinesTitanensturzes" auf der Münchener Ausstellung von 1879 gab ihm deu Rest. Am Morgen des 4. Januar 1880 fand man ihn tot in einem Hotelzimmer in Venedig. Niemand hat den Schleier gehoben, der auf feiner Todesstunde ruht.

Die Mitwelt hat viel an Feuerbnch gesündigt. Aber fein Schicksal hat doch auch nicht ohne sein Verschulden eine fo tragische Wendung genommen. Das lehrt uns sein litterarisches Vermächtnis, aus welchem das Kämpfen und Ringen, das Irren und Fehlen einer edlen Menschcnseele mit ergreifender Ge­walt, aber auch mit ernster Mahnung zu uns spricht.

Berlin. Adolf Rosenberg.

Glossen eines Deutschen im Auslande.

s ist doch eine arge Unsitte, alle Zeitungen ohne Unterschied als Eintagsfliegen zu behandeln, oder ihnen gar noch kürzere Lebens­frist zuzugestehen, falls sie mehrmals am Tage erscheinen! Welche Schätze staatsmännischer Weisheit, wie viel wertvollstes historisches Material geht unwiederbringlich verloren, weil man das Papier eben nur als Papier ausieht und gerade für gut genug erachtet, die Blöße eines Herings oder eiues Stücks Seife damit zu bedecken! Wenn das Gold wie Kies