558
Diwerdy contt-a Aolci.
hat der Buchhandel zehn Jahre damit vergeudet, das deutsche Volk mit „Pracht- Werken" uud „kulturgeschichtlichen Romanen" zu überschwemmen; und nun dieses entsetzliche Gewässer sich verläuft, paßt die Cottasche Buchhandlung, die am deutschen Volke schon so viel, viel Geld verdient hat, richtig den Zeitpunkt ab, nun ihrerseits doch noch Gewinn und womöglich auch noch Ehre einzuheimsen bei einem Unternehmen, das gar nicht in ihre Hände hätte zurückfallen dürfen.
Das einzige, was unser verletztes Gerechtigkeitsgefühl dabei einigermaßen zu versöhnen imstande ist, das ist ein Blick auf das Titelblatt des vorliegendeil ersten Bandes von Goethes Werken, Wer Augen hat zu sehen, der sehe! Was steht am Fuße dieses Titelblattes gedruckt? „Stuttgart, I, G, Cottasche Buchhandlung. Gebrüder Kröner, Verlagshandlung." Welche Ironie des Schicksals, daß die stolze Firma, die jahrzehntelang das Monopol ihrer „großen Autoren" ausgebeutet hat, jetzt die Werke Schillers uud Goethes, wie neulich jemand witzig bemerkte, „mit Krönerschem Vorspann" in die Welt schickt!
Duverdy contra Zola.
ein Preßprozeß, der den Staatsauwalt zu einer glänzenden Rede begeistert, in welcher er vom Gericht den Schutz für die öffentliche Sittlichkeit, für die Grundlagen von Staat und Gesellschaft fordert. Auch kein Nachdrucksprozeß, in welchem einem literarischcn Freibentcr der Begriff des geistigen Eigentums in energischer Weise klar gemacht werden soll. Auch keine Privatklage, in welcher ein verleumderisches Pasquill in seiner Lügenhaftigkeit aufgezeigt wird. Nein, ein einfacher Civilprozeß, zu dem Zwecke angestellt, um das Recht auf den Na inen seinem Träger zu erhalteu.
Emil Zola war es vorbehalten, wie die französische Literatur um den realistischen oder naturalistischen Roman zu bereichern, so der gcsammten Rechtswissenschaft eiue neue Art vou Prozeß zuzuführen. Sein Realismus begnügt sich nicht damit, Zustände, Handlnngen, Anschaunngen, Empfindungen gerade so und ganz genau so darzustellen, wie sie sind, nichts zu verschweigen noch zu verhülle», nichts der Phantasie oder dem Nachdenken des Lesers zu überlassen. Sein Realismus erstreckt sich bis auf die Namen seiner Personagen; er will sie nicht erfinden, sondern entnimmt sie direkt der Pariser Welt, die ihn umgiebt, Alexander Dumas begann seinen Roman von der Kamelieudame mit dem Bekenntnis, er sei zu jung, um zu erfinden; was er erzähle, sei Selbsterlebtes.