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Gin Abend bei den musikalischen Meiningern.
ich Würde für ungebildet augesehen werden," Sie sagte das aber dvch möglichst leise, damit nicht allzuviclc Ohren ihre ketzerische Ansicht hörten.
Indessen der Umschwung wird sich unaufhaltsam vollziehen. Was Mvde ist, kvmmt auch aus der Mvde; und iu der Regel erscheinen uns später die früheren Moden unsäglich abgeschmackt. Herr Ebers selbst trägt redlich dazu bei, daß das Publikum seiner überdrüssig werde. Mit seinem Idyll „Eine Frage" hat er einen entschiedenen Mißerfolg erlitten; das Büchlein hat nnr zwei Auflagen erlebt, und über seine tödliche Langweiligkeit ist allerseits ein achtungs- volles Stillschweigen bevbachtet worden. Mit der „Frau Vürgemeisterin" hat sich Herr Ebers gar auf ein Gebiet gewagt, wo er nicht heimisch ist, und wv sein Hauptfehler, die rücksichtslose Modernisiruug der Gedanken- und Gefühlswelt seiner Gestalten und zum Teil sogar der Zustände umsomehr auffällt, weil er geradezu zu einer Geschichtsfälschnug gewvrden ist, über die alle Fülle chronikalischen, knnsthistorischen, kunstgewerblichen Kleinkrams nicht hinweghilft. Zudem ist die Fabel unzulänglich, nicht genügend durchgearbeitet und ausgefeilt, das Ganze nicht einmal spannend geschrieben. Und sv erhebt sich hier weder das Wollen noch das Können zn der Höhe, die man bei einem Manne voraussetzt, der unter den ersten Romanschriftstellern der Gegenwart genannt zn werden pflegt — nicht einmal zu der Höhe, die Herr Ebers in seinen früheren Werken erreicht hat. Das Buch macht den Eindruck — mit Bedauern sprechen wir es aus —, als ob es nicht mehr der „Geist" wäre, der den Verfasser znr Produktion treibt, soudern als ob er andern, irdischeren Mächten verfallen wäre. Diese aber ziehen herab, den Schriftsteller und seine Werke.
Gin Abend bei den musikalischen Meiningern.
ie man im Englischen zwischen „Ich danke — ja" und „Ich danke — nein" unterscheidet, so mnß man seit kurzem, wenn man von den Meiningern spricht, vorausschicke», ob man die theatralischen oder die mlisikalischen Meininger meint. Die Schanspielgcsellschast Sr. Hoheit des Herzogs von Meiningen ist seit Jahren eine Berühmtheit uud ein Muster; bald wird es auch die Hofkapelle desselben: Fürsten sein.
Als vor ungefähr zwei Jahren Hans von Bülow, eben in Hannover frei geworden, nach Meiningen als „Intendant der Hofkapclle" berufe» wurde, da war es leicht vorauszusehen, daß nun die Musikwelt von der lieblichen „Harfenstadt an der Werra" etwas Außerordentliches zu erwarten habe. Es sah dem Herzoge nicht ähnlich, und Herrn von Bülow ebensowenig, daß jene „Intendantur"