Herrn Meyers Kinder.
ein Freund Meyer hat eine zahlreiche Familie, sieben Söhne nnd fünf Töchter, nnd vft sehe ich dem Treiben der muntern Welt in seinem Hause mit Vergnügen zn. Der älteste Sohn ist schon achtzehn Jahre alt. Er besucht die Prima des Gymnasiums, wird nächstens zur Universität gehen und soll Jura studiren. So hat es sein Vater bestimmt, denn der Sohn selbst würde, wenn man ihm freie Wahl ließe, wohl einen andern Beruf wählen. Er hat eine wahre Passion sür alles, was mit der Landwirtschaft zusammenhängt, und er verbringt seine Mußestunden am liebsteu auf dem Hofe des gegenüber wohnenden Ökonomen, wo er Freundschaft mit Herr und Knecht unterhalt. Jeder Düngerwagen und jeder Erntewagen interessirt ihn, am meisten aber sind es die Pferde, welche seine Neigung gefesselt haben. Ich erinnere mich, daß er schon als dreijähriges Kind mitten im kläglichsten Geschrei innehielt und zu lache» anfing, wenn ein Pserd innerhalb seines Gesichtskreises erschien; mit sechs Jahren kannte er alle Pferde der kleinen Heimatstadt und konnte deren Besitzer aufzählen, und jetzt als Jüngling ist er — wie ich als ein Geheimnis erfahren habe — der Stallmeister des befreundeten Ökonomen. Hat dieser ein unbändiges Tier, so vertraut er es dem achtzehnjährigen Sohne des Herrn Meyer an, und dieser bringt es zur Raison.
Du solltest den Jungen in die Landwirtschaft oder in die Kavallerie oder in den Marstall bringen, sagte ich zu meinem Freunde. Nein, nein, erwiederte er kopfschüttelnd, nnd setzte mir auseinander, daß erst die Universität etwas Rechtes ans der Jugend mache und den Weg zu Ehren bahne. Als König Philipp, sagte ich darauf, es mit angesehen hatte, wie Alexander den Bucephalus zähmte, umarmte er den Sohn uud rief: Macedonien ist für dich zu klein. Herr Meyer lachte aber und blieb bei seiner Meinung.
Das zweite Kind meines Freundes ist ein Mädchen. Es ist ein stilles, sanftes Wesen, dem, wie es scheint, das Lernen etwas schwer fällt. Die Mutter klagt wenigstens, daß Französisch und Englisch ihm niemals in den Kopf wollen. Dagegen hat das Mädchen eine merkwürdige Begabung für die Musik. Es sang schon mit vier Jahren seine kleinen Lieder durchaus richtig, und jetzt ist die siebzehnjährige Jungfrau das Entzücken und der Stolz der Pvlyhymnia.
Die sechzehnjährige Schwester ist das gerade Gegenteil von ihr, und Frau Meyer sagte mir oft, es sei ihr völlig unbegreiflich, wie die beiden Mädchen, die doch dasselbe Institut besucht und überhaupt ganz dieselbe Erziehung genossen hätten, so durchaus verschieden sein konnten. Denn diese bringt keine