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Wilhelm Raabe.
Seite
347
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Magyareu und Deutsche. Z47

Mängeln einige Beziehungen hat), bald mit Charles Dickens, dessen Weihnachts­märchen und Erzählungen als höchste Potenz des Rührenden im Einfachen und Alltäglichen gelten. Und doch, wenn wir diese Erstlingsbücher wiederum durch­blättern, wird uus völlig deutlich, daß Raabe lein Nachahmer nnd Nachcmpsinder ist. Es sind Fülle des Lebens, Reichtum der Eindrücke auf eine leicht beweg­liche und darnach geschäftig fvrtarbeitcnde Phantasie, die hinter seinen Erfin­dungen stehen, nicht literarische Muster. Um das voll zu würdigen, muß mau vor allem beachten, wie uuser Autor trockene Berichte der Chronik, die ver­gilbten Blätter alter Überlieferung liest, und wie ihm die einzelnen Lichtstrahlen, die hie und da aus solcher Lektüre hervorblitzen, zu einer kleinen Sonne zu­sammenschießen. Der echte Ersindnngsgeist, der alles Leblose, Vergangene, was er erfährt und schaut, in Leben nnd Gegenwart zu wandeln sucht, ist nur zu lebendig in ihm und reißt ihn manchmal über die Grenzlinien des Eindrucks­fähigen hinans.

(Schluß folgt.)

Magyaren und Deutsche.

/ Aus Österreich.

eltere Leser werden sich noch der rührigen und cmsdanernden Agitation erinnern, welche in der Zeit von 1848 bis 1865 in der Presse Deutschlands, Frankreichs, Englands nnd Amerikas für die Sache der Magyareu entwickelt wurde. Bis dahin hatte die Welt vvn dem Lande Ungarn nicht viel mehr gewußt als etwa von Hinterindien, und Wahres vielleicht noch weniger, da die Hanptgnellen der Kenntnis die Dichtungen von Lenau, Beck u. f. w. waren. Man schätzte das Land wegen seiner Weine, ordnete es aber übrigens in die Rubrik jenerin­teressanten" Länder, von welchen man sich am liebsten nur erzählen läßt. Um so überraschender war 1848 die Entdeckung, daß Ungarn nicht ausschließlich von Noßhirten und slowakischen Drahtbindern bewohnt sei; und auch diese avnueirteu rasch zu lauter Frciheitshelden, als der Konflikt mit Österreich ausbrach. Jeder­mann sympathisirte mit ihnen, der eine, weil sie Revolutionäre waren, der zweite, weil sie ihr altes Verfassungsrccht verteidigten, der dritte ans alter Ab­neigung gegen Österreich u. s. w. Die ZcitungSkorrcspondcnten sorgten dafür, daß der Leser über den Zusammenhang der Diugc im Unklaren blieb. Der Übergang von der gesetzlichen Opposition zur offnen Empörung, die Abwendung