330 Die Fortschritte in der antiken Amistgeschichte während des letzten Jahrzehnts,
dcimit gcendigt, daß er in seinen Gegnern und selbst in seinen Nebenbuhlern nur Schurken erblickt, die der Hinrichtung würdig sind. Auf dieser schiefen Ebene kann ihn nichts aufhalten; denn da er die Dinge nach dem Gegenteil von dem, was sie siud, qualifizirt, hat er iu sich die köstlichen Gedanken gefälscht, die uns an die Wahrheit und Gerechtigkeit knüpfen. Kein Licht dringt mehr in die Augen, die ihre Verblendung für Scharfblick halten, keine Gewissensregung bi rührt mehr die Seele, die ihre Barbarei als Patriotismus Preist und sich ihre Missethaten als Pflichterfüllung vorstellt."
Die Fortschritte in der antiken Kunstgeschichte
während des letzten Jahrzehnts.
von Hugo Blnmner. 1.
uf keinem Gebiete der Altertumswissenschaft hat in den letzten Jahren ein so reges Leben geherrscht wie auf dem der Kunstgeschichte und auf den damit im Zusammenhange stehenden anderen Gebieten, die man gewohnt ist unter dem Namen der klassischen Archäologie zusammenzufassen. Zwar die Hoffnnng, welche man bei ihrem ersten Auftauchen freudig begrüßte und eine Zeit lang ernstlich zu hegen berechtigt war, daß uns die bewährte Kraft K. B. Starks endlich nn Stelle des vor nunmehr 34 Jahren zum letztenmale bearbeiteten und heute natürlich längst veralteten, obgleich immer noch nnentbchrlichen Handbuches der Archäologie von Otfried Müller ein ncnes, dem gegenwärtigen Stande der Wissenschaft entsprechendes Werk als Grundlage für alle künftigen Erweiterungen geben würde, hat der Tod, welcher den emsigen Gelehrten aus seinem rüstigen Schaffen, ans seinen mamnchfaltigen begonnenen Arbeiten Heransriß, vereitelt. Nnr ein Bruchstück war ihm noch zu gebe» vergönnt. Sciue „Systematik und Geschichte der Archäologie der Kuust" (Leipzig, Eugelmmin, 1880), das einzige, was vollendet vorlag, bleibt aber auch so eine dankenswerte Gabe, wenngleich auch ihr jener Fehler anhaftet, welcher Starks Arbeiten, unbeschadet ihrer sonstigen Vorzüge, so vielfach schwer benutzbar, manchmal selbst schwer genießbar macht: der Mangel an deutlicher, übersichtlicher Anordnung. Aber dieser erste Teil war nur der kleinste des auf drei umfangreiche Bände berechneten Ganzen; und gerade das, was am schmerzlichsten vermißt wird, die systematische Behandlung der Kunstgeschichte, der Denkmäler, der Kunstmythvlogie, der Technik u. s. w., wartet noch und wird wohl noch lange warten müssen ans einen Mann, welcher wie O. Iahn umfassende Gelehrsamkeit und Scharfsinn mit Geschmack, regen Sammeleifer mit reichster Denkmäler- und Schriftstellerkenntnis verbindet.