Beitrag 
Bakchen und Thyrosträger :
(Fortsetzung.)
Seite
255
Einzelbild herunterladen
 

Literatur.

255

Er sank zerknirscht auf einen Stuhl nieder nnd vergrub seinGesicht in denHänden, In strenge Zucht will ich mich nehmen, sagte er sich dann, nach langem Sinnen aufstehend. Nie wieder soll mich die Freude verlocken. Ich werde nur nach Wasser trinken, ich will das alte Haus nicht wieder sehen, ich will die verweichlichenden Töne der Musik nicht mehr hören.

Er setzte sich an die Arbeit und studirte den ganzen Tag. Er sah nicht über die Straße. Als am Nachmittage drüben das Klavier ertönte, verstopfte er sich die Ohren. Er ging nicht ins Kolleg, um nicht den Jüngling zu sehen, der die Züge seiner Schwester ihm vor die Augen bringen konnte. (Forts, folgt.)

Literatur.

Grundriß zur Geschichte der deutschen Dichtung aus deu Quellen von Karl Glie­dere. Dritter Band. Siebentes (Schluß-West. Dresden, L. Ehlcrmann, 1881.

Mit dem Vorliegenden siebeuten Hefte ist der dritte Band des allbekannten Goedekeschen Grnndrisses und damit zugleich das ganze Werk komplet geworden. Wenigstens macht der Verfasser hier einen Abschluß und bleibt uns somit den. zweiten und dritten Abschnitt des achten Buches, welche die neueste Zeit hätte» uinfasseu sollen, schuldig. Er schließt mit dem Jahre 1830, doch so, daß er jeden einmal berührten Schriftsteller auch über dicseu Zeitraum hinaus bis an sein Lebens­ende verfolgt.

Es ist bedauerlich, daß Gvedeke von einer Weiterführung des Werkes absehen will, aber auch so müssen wir ihm für das Gebotene in hohem Maße dankbar sein. Wahrhaft erstaunlich ist die Masse des in diesem dritten Bande aufgespeicherten Stoffes. Aber nicht eiue unverdaute und unverdauliche bloße Ablagerung von be­liebig uud planlos zusammengerafften Notizen liegt vor uns, sondern ein nach ein­fachen Gesichtspunkten mit kritischein Scharfsinn geordnetes Material, ein vollstän­diger Apparat zum Studium der Geschichte der deutschen Dichtung.

Die Eigenartigkeit uud die Borzüge des Goedekeschcn Grnndrisses sind bekannt; seit 25 Jahren, wo das erste Heft erschien, ist dasselbe in den Händen und in steter Benutzung aller, die sich mit deutscher Liternturgeschichte, sei es sx proto^o, sei es gelegentlich, befassen, und es ist mehr als die herkömmliche Phrase, wenn wir sagen, daß er ihnen allen eiu unentbehrliches Hilfsmittel geworden ist. Der Schwerpunkt des Werkes beruht, außer in der erstrebten Vollständigkeit der auf­geführten Schriftsteller, in der den breitesten Nannt einnehmenden, mit der größten Gewissenhaftigkeit gearbeiteten Bibliographie. Um eiue Vorstelluug von der Reich­haltigkeit dieses Teiles wie des Ganzen überhaupt zu geben, bemerken nur nur, daß der Verfasser es uicht verschmäht hat, auch die belletristischen Journale und Snmmelschriften früherer Zeit für seine Zwecke auszuziehen, daß er für den, der weiter forschen will, ein reiches biographisches Qncllcnmatcrial mitgeteilt hat, und daß er deu Schluß macht mit einer ebenso erschöpfende« Literatur der schönwissen- schnstlichen Übersetzung«!. Neben dieser großen Fülle tritt zwar der verbindende Text in den Hintergrund, doch versteht es der Verfasser sehr Wohl, bei aller Prä­zision ein deutliches und anschauliches Bild, sei es einer Zcitrichtung, sei es eines "uzelneu Dichters, zu zeichnen. So ist beispielsweise die romantische Schule, so ^ie Wiener Zanberpossc mit wenigen Worten treffend charakterisirt. Die Koryphäen Schriftstellerwelt behandelt der Verfasser an der Spitze ausführlicher nnd läßt