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Die Lösung der Maria Stuart-Frage.
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Paul Lindau.

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zu hinterlassen, von der Anklage des Verrats zu befreien. Was aber Schcbek mit seiner «Lösung der Wallensteinfrage» nicht erreicht hat, ist nach unserm Ermessen Bekker mit seiner Rettung der Maria Stnart vollständig gelungen. In glänzender Weise hat er die Aufgabe, welche andere vor ihm nur unvoll­kommen gelöst haben, durchgeführt und die Schuldlosigteit der unglücklichen Königin von Schottland nachgewiesen.

Paul Lindau.

s war ein Herr, der über Land zog und teilte seiue Güter unter seine Knechte. Dem einen gab er fünf Pfnnd, dem andern drei, dem dritten zwei und dem vierten eines, nnd trug ihnen auf, damit zu wirtschaften. Und als er wiederkam, Rechenschaft zu fordern, da hatte der erste zu den fünf Pfnnd noch fünf andre gewonnen, auch zwei von den andern hatten ihren Besitz vermehrt, nur der letzte hatte sein Pfuud vergraben und gab es dem Herrn zurück, indem er sagte: Ich fürchtete mich vor dir, denn ich wußte, daß du ein harter Mann bist. Siehe, da hast du das Deine. Der Herr aber lobte die andern und nannte diesen allzuvorsich­tigen einen Schalk uud faulen Knecht.

Dieses Gleichnis fiel uns ein, als wir dieser Tage eine Besprechung des Spiclhagenschen RomansAngela" von Paul Lindau inNord uud Süd" zu lesen uns bemühten. Paul Lindau hat wohl von allen jetzt lebenden deutscheu Schriftsteller» deu schärfsten Verstand. Er hat einen untrüglichen, nüchternen Blick für alle Dinge, die innerhalb seines Gesichtskreises liegen, und dieser Gesichts­kreis ist ziemlich weit. Er hat dazu eine Gabe des Ausdrucks, die ihn vor allen andern befähigt, das, was er selber verstanden hat, dem großen Publikum verständlich zu machen. Er ist der geborne Kritiker. Er ist von der Natur dazu bestimmt, als ein scharfer Besen im Augiasstall der Literatur zu wirtschaften. Dies sein Talent ist das Pfund, welches der Herr ihm anvertraute.

Zu Anfang seiner Laufbahn zeigte er auch dies Talent. Mit Vergnügen mußte man seinen Aufsatz über GutzkowsUrbild des Tartüffe" lesen, gespannt folgte man den feinen, sich tief einbohrenden Gedanken, die diesen damals Herven­haft emporragenden Dichter gleichsam skelettirten. Mit Freuden entdeckte man ein Streben nach hohen Zielen, das stärker zu sein schien als die Weltklughcit, das den Verfasser hinzureißen schien, sich selbst zum Schaden als ein Zenge für das Gute aufzutreten.