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Athenais.
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Kritiklosigkeit.

Kaiserin Atheuais-Eudokia,Eyprianns und Jnstina" betitelt, die Überzeugung zu gewinnen, daß in ihrer Seele die nene Religion besser Wurzel geschlagen als die ab­sterbende alte, die sie in früher Jugend verlassen. Aber nach allem muß mau ebeu hieran zweifeln. Es ist fast unmöglich, sich in die innern Zustände dieser byzantini­schen Menschen hineinzudenken. Grcgvrovins stellt Athenals-Endokia so dar, daß wir eine uneingcstandne, ihr selbst selten zum Bewußtsein kommende Hinneigung zu der Welt ihrer Jugend und ersten Bildung immer voraussetzen müssen. Wenigstens spricht die wundersame Scene in Antiochien, wo die Kaiserin im Senatspalast die Bürgerschaft versammelt und dort eine poetische Lobrede auf die berühmte Stadt hält, entschiedendafür, daß sie mit allen theologischen Studien in der neuen Weltnie heimisch ward. Jedenfalls sind ihr Leben, soweit es der Biograph anfznhellen vermag, ihr wundersames Glück und ihr Ende typisch für eine Zeit großer Umwälzungen, rätselvoller Uebergänge und Neubilduugeu. In diesem Sinne stellt Gregvrovins die athenische Philvsvphentvchter nnd oströmische Kaiserin dar, und sicher wird sein vortrefflich geschriebenes kleines Buch das Interesse größerer Leserkreise ge­winnen.

Kritiklosigkeit.

Line literarische Neujahrsbetrachtung.

ie Gewohnheit der Nenjahrsbetrachtungcn gilt für so antiquirt wie die Sitte der Neujahrswünsche. Sie hat auch keinen Sinn, da wo sie auf die Betonung der eignen Vortrefflichkeit nnd höchstens auf das berühmteMorgen wieder luschtik!" weiland Seiner Majestät des Kölligs Jerome von Westphalen hinausläuft. Wer sich au dreihundert und vierundsechzig Tagen unsträflich findet, wird anch am ersten Januar uicht mit sich zu Hader» haben, und umgekehrt liegt ver­zweifelt wenig an frommen Vorsätzen, die »nr für die ersten viernndzwanzig Stunden des Jahres gelten sollen. Indes bleibt es doch gewiß, daß nach alter Gewohnheit der Jahresanfang ein vcrehrliches Publikum fürRückblicke" und Allsblicke" empfänglich findet, und so fehlen sie auch iu der beliebten Form zwangloser Plaudereien dem modernen Feuilleton nicht, das sich als eine lite­rarische Macht fühlt oder wenigstens ankündigt.

Ernster gestimmte Naturen haben seit Jahren in unsrer Literatur wie im Publikum die wachsende Kritiklosigkeit beklagt. Wer das Wort nur äußerlich nimmt nnd sich an die Thatsache hält, daß vielleicht nie zuvor so vielpikante," schneidige,"vernichtende" Kritiken geschrieben worden sind als im letzten Jahr­zehnt, der mag leicht die Klage für eine jener Phrasen erachten, die in der Presse Curs haben. Die naheliegende Erkenntnis, daß die sämmtliche Kritik,