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Athenais.
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Athenais.

eit die Popularisirung der Wissenschaft dank aller Flachheit, aller wüsten Spekulation nnd allem Schwindel, welche damit verbunden worden in ziemlichen Verrus geraten ist, geschieht es selten, daß eine vorzügliche historische Spezialstudie in an­ziehender und vollendeter Form vor das Publikum tritt. Eine Fülle der Forschung, feiner Charakteristik nnd durchdringenden Urteils wird in Schriften niedergelegt, welche über die engsten Fachkreise keinen Schritt hinaus gelangen und selten ein paar Schritte darüber hinaus mittelbar wirken. Es kommt darauf an. ob man diesen Zustand als den gesundesteu und erfreulichsten erachtet oder umgekehrt eine Gefahr vielleicht für die historische Literatur und ganz gewiß für die historische Bildung des grüßern Publikums in demselben er­blickt. Wer das letztre thut, hat seit Jahren jede gute historische Monographie, die zugleich ein fesselndes Buch ist und den Reiz künstlerischer Darstellung nicht verschmäht, mit Freuden begrüßt, dies aber freilich nur in längern Pauseu ver­mocht. Eiue dieser seltner und seltner gewordenen Arbeiten bietet Ferdinand Gregorovius in dem kleinen, aber vorzüglichen BucheAthenais. Geschichte einer byzantinischen Kaiserin,"*) der Geschichte jener athenischen Philosophen­tochter,welche als die byzantinische Kaiserin Eudokia durch ihren Geist und ihre Erlebnisse berühmt gewesen ist." Athenais-Endokia war die Gemahlin des Kaisers Theodosius II.. der dem Namen nach von 408450 nach Christus über das ostrvmischc Reich herrschte, nnd ihre Biographie ruft uns eines der denk­würdigsten Frauenschicksale vor Augen, von denen die Geschichte zu berichten weiß.

Zwar ehe wir uns ganz der Freude über das vortreffliche Werk eines der wenigen im guten Sinne vornehmen Schriftsteller überlassen, welche die Literatur der Gegenwart zählt, sollten wir mit dem Verfasser derAthenals" ernstlich hadern.Ich wundre mich," heißt es in seiner Vvrrede,daß von uuseru hcutigeu Dichter», welche gerade Zustünde nnd Zeiten, die vom modernen Be­wußtsein am weitesten abgelegen sind, mit so vielem Geschick und Erfolg in so­genannten kulturhistorischen Romanen dargestellt haben, keiner an Athenars sich versucht hat, und doch hat Kingsley in seiner «Hypatia» gezeigt, wie dankbar für einen reflettirenden Dichter eben diese Epoche des im Christentum unter­gehenden Hellenismus sein kann." Was um des Himmels willen fällt Gregorovins bei? Warum malt er den Teufel au die Waud und beschwort uus zu ägyp­tischen und ostgotischeu, altnordischen und römischen Romanen noch einen

AthcnaiS. Geschichte einer byzantinische» Kaiserin vvn Ferdinand Gregor» vius. ^pzi-z, F. A. Brockhans, 1882.