Beitrag 
Patriotismus und Soldatenwillkür : Eine Episode aus dem ungarischen Kriege.
Seite
451
Einzelbild herunterladen
 

431

Patriotismus nnd Soldatenwillkür.

Eine Episode ans dem ungarischen Kriege.

Wer am -4. April 1849 in Pesch durch die Straßen ging, konnte bei jeder Ecke nur schwer durch die Menschenmassen dringen, die mit gespanntester Aufmerk­samkeit einen langen Maueranschlag lasen und sich lächelnd und einander zuwinkend entfernten, während sich ans dem Hintergründe andere an die von ihnen ver­lassenen Plätze drängten, um mit derselben Hast nnd Gespanntheit zn lesen, sich mit demselben Belagerungszustandeslächeln zn entfernen und wieder andern Platz zn machen.

Der Maneranschlag war ein Kriegsbnlletin von demGrasen Ladislaus Wrbna", Feldmarschalllicutenant und Commandant des 2. Armeecorps unterschrie­ben, der während der Abwesenheit desObercommandanten Feldmarschall Alfred Fürst zn Windischgriitz," der damals die Schlacht bei Kapolna geliefert hatte nnd nun auf dem Wege war, das ersehnte Debrczin westlich von Pesch zu suchen, Commandant uud Civilgouverneur des eroberten ThcileS von Ungarn war; nnd verkündete den Einwohnern der Hauptstadt einen großen Sieg, welchen der Ban an diesem Tage erkämpft habe.

Se. Excel!, der Ban, heißt es in dem Bulletin, sei hente Morgen bei Täpia- Bicske auf eine Abtheilnng des Nebellenheercs gestoßen, die er, obwohl sie seinen Truppen an Zahl überlegen war, sogleich angriff, und uach einem kurzen Gefecht auseinander jagte; mehrere hundert Gefangene und 14 Kanonen wnrdcn er­beutet u. s. w. Der Bericht endigt mit jener berühmt gewordenen Phrase: Das ist der Anfang jener Operationen, welche mit der gänzlichen Vernichtung der Nebellion enden werden."

Mit diesem Bulletin ging es dem Ban,, wie Melas bei Marengo, denn wirklich gelang es ihm anfangs, Klapka's Armeccorps zurückzudrängen, allein dieser, bei N.-K-'ttaa von Damjanich aufgenommen, ergriff sogleich die Offensive und brachte dem Banns noch an demselben Tage eine vollständige Niederlage bei, die ihn den Nückzng nach der Hauptstadt antreten ließ.

Allein diese Enttäuschung der croatischen Waffenbrüder mußten die Dörfer, durch welche sie zogen, theuer entgelten. .

Man hat im Anölande viel von der Raub- uud Plündernngslust der Croatcn gesprochen, uud da diese vstreichischen Helden besonders dem deutschen Publicum aus den Zeiten des dreißig- und siebenjährigen Krieges rühmlich bekannt sind, so wurden auch ihre neuesten Waffenthatcn in Wien, Italien und Ungarn nach diesem Maßstabe gewürdigt und allgemein angenommen, daß diese cultnr- armen Söhne des Südens eine natürliche Abneigung gegen das siebente Gebot

58*