143
Armee nicht hinterrücks die Hände gebunden werden, und daß die Bundesdiplomatie mit der bekannten christlichen Feüidesliebc nicht einen Waffenstillstand erschleiche, ehe ein gnädiger Winterfrost Eisbrücken über die Belte schlägt oder wenigstens den Danebrog von der Küste scheucht.
Am 17. sollen die Neutralen nnd Preußen das künstige Schlachtfeld geräumt haben, am 18. dürften die ersten Schüsse fallen. Darüber darf man sich aber nicht täuschen: der Krieg wird diesmal nicht mit Glacvhandschnhen geführt werden. Die Erbitterung, die in der Armee gegen die Dänen herrscht, kann nur begreifen, wer die schamloseu Gewalttaten der Landeszerspaltuug im Norden Schleswigs mit ansah. Aus Apeurade, Haderslebeu, Flensburg und andern Städten jenseits der Demarkationslinie flüchten täglich waffenfähige Männer ans nächtlichen Schleichwegen nach Rendsburg, um sich unter die Fahne Williscus zu stellen. Invalide, Familienväter nnd bartlose Knaben, noch in drei Jahren nicht militärpflichtig, ziehen haufenweise die Uniform an. Auch siud alle Altersclassen, vom 18. bis 40. Jahr auSgeschriebeu und Niemand entzieht sich dem Ruf des Vaterlandes. Die Friedeusprotokolle mögen ausgelegt werden, wie sie wollcu, gewiß ist, daß die Dänen ihre Gegner als Rebellen zu behandeln denken. Man ist darauf gefaßt und brennt mit Ungeduld nach der feindlichen Umarmung. Ganze Bataillone sollen geschworen haben, Pardon weder zu geben noch zn nehmen. Allen Streitern flüstert eine Ahnuug iu's Herz, daß sie berufen sind, die Schmach von ganz Deutschland zu rächen, und daß der letzte Donner dieses Krieges nicht eher verhallen wird, als bis die Volker vom Rhein bis zur Donan in Freiheit und Ehre geeinigt sind.
Dorfschulen in Rußland.
In neuer Zeit ist in Rußland Lie Aufmerksamkeit auf das Schulwesen für den Bauernstand gerichtet worden. Die Veranlassung gab in den Ostseeprovinzen die Berührung mit Preußen, in Südrußland die deutschen Ansiedler, besonders in den Districten zwischen der Steppenflächen und den Gestaden des schwarzen Meeres, wo sich im Verlaufe der letzten 7l1 Jahre gegen fünftausend deutsche Bauern uiedergelassen haben und noch fortwährend Ansiedelungen stattfinden. Die Einwanderung hat — beiläufig bemerkt — seit fünf bis sechs- Jahren sehr abgenommen, obschon hier die Laudwirthschaft, vorzüglich Schafzucht nnd Weinbau, ungeheuren Gewinn bringen kann. Der Grnud liegt darin, daß das drückende Verhältnis der russischeil Untertänigkeit, welches zwar der Einwanderer nicht,