Beitrag 
Cäcilie von Albano : Trauerspiel von Mosenthal.
Seite
126
Einzelbild herunterladen
 

126

der Sieger Friedrich erscheint als Fortiubras, um dem königlichen Todten die Trauer­rede zu halten.

Von einem historischeu Tranerspiel im höhern Sinn ist keiue Rede. Der Conflict ist kein tragischer, sondern ein lyrisch sentimentaler, ja er beruht aus eiuem Gesühls-Naffinement, das seiner ganzen Natnr nach ebenso nnhistorisch, als nndramatisch ist. Und doch widerstrebt der Stoff an sich keineswegs einer dramatischen Bchaudluug. Ich erinnere an eine Oper von Anber, die Favoritin, in welcher die Macht der Liebe, der Stolz einer freien Persönlichkeit sich den ab- stracten Betrachtungen der Politik und dem fanatischen Spiritualismus der Kirche gegenüber geltend macht. Aber dann muß der widerstrebende Held ein Maun sein, nnd die Träger des kirchlichen Princips erfüllt von ihrer einseitigen, aber großen Idee. Hier ist die Kirche durch eiu paar gefräßige Pfaffen und hab­süchtige Politiker rcpräsentirt, und der Held ist ein Spielball aller Winde. Was soll da für ein Conflict hcrauskommeu! Was nützen uns die lyrischen Momente auf der Scene, wenn wir doch jedesmal erwarten müssen, im Zwischenacte werde eine Veränderung vor sich gehen, die zu dem Vorhergehenden und Nachfolgenden in keinem Verhältniß steht. Der Mangel an Kraft wird dann zuletzt durch nu- nöthigc Grausamkeit ergänzt; der arme Otto muß gegen alle Geschichte ans dem Schlachtselde sterben, Cäcilie tödtet sich selbst und von den übrigen mitspielcuden Personen werdeu fast alle getödtet.-

Der Mangel an historischem Ernst und historischer Treue soll verdeckt wer­den durch das sorgfältig ausgearbeitete Detail. Wir haben die Volkssceucn, in denen seit Shakspeare die Unmündigkeit der Masse in einer nachgerade etwas ermüdenden Breite sich ausspricht, Soldctteusceueu, und eine Masse romantischer Figuren: geistreich sentimentale Harfner, aufopfernde Dienerinnen, Mönche, treue Vasallen u. s. w. Die Sprache hat ihren Schiller'schen Schwung uicht verloren, aber es ist dem Dichter nicht gelungen, jenen ernsten Stil, den z. B. Kleist iu seinem Prinzen von Homburg so glücklich getroffen hat, nnd der allein uns gleichsam mit historischer Lnft anweht, wiederzufinden. Die Sentimentalität des Inhalts geht auch auf die Form über.

Die Krifis in Frankfurt.

Unter allen Gemeinheiten, welche wir in zwei Jahren so reichlich genossen haben, ist das zänkische und intrignante Treiben unserer Diplomaten zu Frankfurt das Gemeinste, und es ist schwer zu sageu, ob der Gleichgültigkeit, mit welcher