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Der letzte Brief von Karl Graf Leiningen-Westerburg.
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Alles, was Du mir gethan. Gott, Gott! ich kann nicht mehr. Lebe wohl, mein Leben, mein Alles! Arad, am 5. Octbr. 1849.

Dein bis in den Tod treuer Karl Leiningen.

Kleine Correfpondenz und Notizen.

Ein Ministerdebut in Prag.

Vor wenigen Tagen hat der Justizministcr Schmerling Prag besucht, um das Oberlandesgericht und die Staatsprokuratur feierlich zu installircn, indem mit dem 1. Juli die neuen Gerichsbehörden, das öffentliche Strafverfahren mit Schwurgerichten, in das Leben treten sollen; ob neben diesem Leben auch der Ausnahmszustand in Prag fort­leben wird, ist ungewiß, obwohl gar nicht unwahrscheinlich, denn die Ausnahmszustände haben in Ocstreich ein noch zäheres Leben, als Frosche in den Donausümpfcn.

Im Grunde war die ganze Jnstallationscercmonie durchaus überflüssig, da auch ohne dieselbe am 1. Juli alles seinen Gang hätte gehen können: ein vernünftiger Grund für die Vornahme jenes pomphasten Aktes konnte also höchstens darin zu^finden sein, daß der Minister durch sein öffentliches Auftreten sich und das von ihm geschaffene In­stitut populär zu machen wünschte.

War dies der Zweck des Ministers, so hat er ihn leider verfehlt, er hat ihn ver­fehlt aus purem Ungeschick. Eben weil unsere Herren in ihren provisorisch autokratischcn Kabinetcn vergessen, daß sie des Volkes wegen da sind; weil sie sich nicht mit Ver­tretern der Volkswahl, sondern mit leidigen Vertrauensmännern ihrer Wahl umgeben, so verstoßen sie leicht gegen die Empfindungen des Volkes. Minister Schmerling hatte« durch das rüstige Vorschreitcn der Arbeiten in seiner Branche in Böhmen in der That eine Art von Beliebtheit erworben, und die viel angescindcten Slavcn Prags sind kei­neswegs so oppositionell, um Minister Schmerling deshalb anzufeinden, weil er Reichs- ministcr gewesen, oder weil er in jenen Septembertagen bedeutende Energie gegen die rothe Demokratie entwickelte.

Da aber hat Schmerling durch einen kleinen unüberlegten Passus seiner Jnstal- lationsrede eine unfreundliche, ja eine erbitterte Stimmung gegen sich heraufbeschworen.

Gefüllt war der große Saal in der Hofburg, an zwei Tausend Personen waren anwesend, alles, was Beamter heißt, war erschienen, nm die stattliche goldverbrämte Uniform zur Schau zu tragen und durch den Goldpruuk einen angenehmen Kontrast mit unserer Gold- und Silbernoth zn bilden. Ich fürchte, das unvcrhältnißmäßig hohe Goldagio läßt sich mit aus dem übermäßigen Bcdarfe von Goldborten und goldenen Degenkuppeln der Beamten erklären, da jeder, auch der niedrigste, mit nur 40V Papier­gulden jährlich Besoldete, zur Goldkuppel verurtheilt ist. Warum hat man den Nichter- stcmd wenn nun einmal Kostüm nöthig war nicht wenigstens in die ehrwürdige