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Der Antisemitismus wie er ist : 1. Die Soziale Seite
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Nationale Dichtung

dcu alten Anschauungen los. Sie haben ihren ganz besondern Zauber, ver­mutlich weil das laissW tnirs so außerordentlich bequem ist, und Spuren davon findet man oft, gerade wenn man es am wenigsten erwartet, bei den über- zeugtcsteu Sozialreformern.

So kommt es, daß dem Antisemitismus die allermeisten Anhänger durch seine judenfeindlichc Spitze gewonneu werden, daß sie bei ihrem Übertritt glauben, sein Wesen erschöpfe sich in der Bekämpfung der Jndcn, und daß sie sich erst nach und nach in den sozialen Gehalt der Bewegung hineinleben. Nach Art aller frisch bekehrten haben sie aber ihre Freude daran, ihre neu errnngne Erkenntnis hinauszutragen in immer weitere Kreise, gerade sie sind die eif­rigsten und lautcsteu Prediger, und sie predigen eben, was sie begriffen haben, nämlich fast nnr die Lehre von der Gemeinschädlichkeit der Juden; vielen ältern Antisemiten und jenen Sozialrefvrmern, die von der Judeufrage überhaupt nichts höre» wollen, zum Verdruß, der Sache aber uicht zum Schadcu.

Nationale Dichtung

von Adolf Bartels 1

u meinem AufsatzDie Ziele der gegenwärtigen Litteraturbewc- guug in Deutschland" (Heft 42 der vorjährige» Grenzbotcu) kam ich zum Schluß auch auf die nationale Tendenz und sagte:Ich muß gestehen, daß ich eine Möglichkeit, der Dichtung nationale Ziele vorzuschreiben, schlechterdings nicht sehe, so fest ich auch von der Notwendigkeit nationaler Jndividualisirungen der Menschheit überzeugt bin, und so gern ich eine nationaldeutsche Mischung von Eigenschasten an­erkenne. Das bewußte Streben nach »deutscher« Poesie ist auch überflüssig, ja im Hinblick auf eiue bestimmte vaterländische Dichtung unsrer Tage sei es gesagt, sogar schädlich. Mau kann wohl bestimmte Schulreformen ins Auge fasfen, man kann die Jugend in echt deutschem Geiste erziehe», aber man kann ans das dichterische Schaffe» seiner Zeit auch nicht den geringsten unmittelbaren Einfluß gewinnen, nnd darum handelt sichs hier. Jede Art von Dichtung, die wir bisher gehabt haben, war national, die Gelehrtcnpoesie zu Opitzens Zeit so gut wie Goethes autikisirendc, Schillers »Jungfrau« so gut wie Hebbels -»Judith«; selbst Heiue ist doch etwas mehr als ein in deutscher Sprache dichtender Jude, eben weil er ein Dichter war. Natürlich wird sich auch der