167
Alle diese Vorgänge aber haben die Nothwendigkeit nahe gelegt, die schwäbische Fortschrittspartei auf Grund des nationalen Programms neu zu organi- siren und zu diesem Zweck in einiger Zeit eine Landesversammlung zu berufen, ähnlicher derjenigen, welche im vorigen Jahr für den Beitritt zum Nationalverein sich ausgesprochen hat. Das würtembergische Volk wird dann, wie nicht zu zweifeln ist, seine laute Zustimmung den Männern ertheilen, welche zu dem Tag in Weimar mitgewirkt und den Zusammenhang Schwabens mit den nationalen Bestrebungen des Vaterlandes aufs neue dargethan und befestigt haben. >
4<!ki',-li^ iü'i t4Ml»i^7-,i-/s?»K j'Zmb'i /' . »llvÄÄ
Nach den Wahlen im GroßherzliaHnm Hessen.
Die zweite Kammer, welche ehestens in Darmstadt zusammentreten wird, ist berufen, die politische Physiognomie ihres Landes namentlich für Fernstehende vollständig umzuwandeln. Wie nahm sich, vom deutschen Standpunkt ab betrachtet, das Großherzogthum Hessen bisher aus? Es war eine der todten Gegenden des Vaterlandes. Ohne daß über ihm, wie über Sachsen, Baden und der Pfalz, der Wüstenwind einer blutig triumphirenden Reaction dahin- gesahren wäre, lag es lange Zeit vollkommen so erstarrt da wie Baden, bevor ein glücklicher Wechsel in den Anschauungen des Herrschers ihm wenigstens auf der Oberfläche neues gesundes Leben gab, wie Sachsen vor der letzten Session der Stände und wie die Pfalz vor der jüngst eingetretenen Gefahr für den Bestand des Zollvereins. Ein einziger Mann, der Advocat Metz, hatte seit 1850 in hervorragender Weise an den Bewegungen der Zeit theilgenvmmen; aber während er Deutschland unleugbar große Dienste leistete, schien ihm die Belebung seines Heimathlandes kaum gelingen zu wollen. Die unabhängige Bevölkerung verharrte in jener negativen Stimmung, die während der Jahre 1859 und 60 fast in allen deutschen Kleinstaaten grasfirte: sie erklärte sich unter vier Augen für „reif zur Annexion" oder „zur Revolution", aber dachte nicht daran, daß es ihr beschicken sein könne, für die Verbesserung ihrer und der allgemeinen vaterländischen Zustände selber den Anstoß zu geben und die