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Silvester 1921
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Ausgegeben am 24. Dezember 1S2!

ES gilt, tiefer in die Verwicklungen zu blicken, aber zugleich ihnen geistig überlegen zu werden.

Rudolf Lücken

Silvester 5925

von Fritz Äern 1.

ie Menge der Menschen lebt geschichtslos. Im möglichst wohnlichen Häuschen persönlicher Wünsche sich drehend, schaut der Privat­mann mir gelegentlich durch die Butzenscheiben seiner Zeitnng hinaus ans den Strom der Welt und freut sich, daß er selbst nicht Staatsmann, d. h, Kapitän auf den bald stolzen, bald lecken Schiffen ist, die jenen Strom bevölkern. Wenn Weihnachten den Blick auf ver­gangenes und zukünftiges Familiengeschick lenkt, wenn Jahresschluß im Kvntor die Bilanz eigenen Gewinns und Verlustes zeigt, dann ist der kleine Privat­souverän Mensch froh, daß er sich mit Steuerzahleu von näherer Verflechtung m das allgemeine Werden der Geschichte loskaufen konnte.

So war es vor dem Krieg. Heule üffuet der Bürger mit fiebernder Hand die Zeitung; denn sie sagt ihm jeden Tag, ohne daß er seine Kontobücher aufschlägt, wieviel sein eigenes Vermögen beträgt. Das Allgemeine, Allgeineinste regiert an sicheren Fäden auch das Philistcrgcschick. Aber nur das Gemeinste oieses Allgemeinen interessiert; von der ganzen Zeitung liest man zuerst den Dollarknrs uud überfliegt den Nest hauptsächlich nnter dem Gelichtspunkt, ob die Mark wohlü la IviiZue" steigt oder füllt? Nicht die Geschichte interessiert, sondern die Konjunktur. Das ist die Geschichtsbetrachtung der Gcschichtslvsen.

Während des letzten Jahres hat diese enge Art, sich mit dem allgemeinen Schicksal abzufinden, im selben Maß bc, uns zugenommen, wie wir uns von den Blutopfern des Krieges cutfernen und nns in die bloßen Gutopfer oder auch Gewinne einer glänz- nnd freudelosen, ehr- und machtlosen Gegenwart ver­lieren. Zwei andere Völker haben in diesem Jahr besser abgeschnitten. Ihnen -ist die Politik leine Devisen-Meteorologie geworden; sie haben in diesem Jahr Grenzbvten IV 192t