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Weihnachten
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Weihnachten

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Weihnachten

von Paul ZVarncke

Alle Wonnen stürzen auf mich nieder, Die vorzeit mein Kinderherz bewegt, Wenn der holde Klang der Weihnachtslieder Durch die stille Nacht aus Ohr mir schlägt. Wenn am immergrünen Baum die Kerzen Durch das Dunkel flimmern freundlich mild, Dann aufs neu erwacht in meinem Herzen Ferner Kindheit ewigjnngcs Bild.

Und die vollen Glockentöne schwimmen Durch die Luft, ein mächtiger Feierklang, Und ich höre hundert liebe Stimmen, Die das große Schweigen längst verschlang. Augen, die besonnten meine Pfade, Sind wie Sterne leuchtend aufgewacht, Und ich fühle schauernd tief die Gnade Dieser heiligen, deutschen Weihenacht.

Und ich spüre jeden Schmerz gelinder, Selbst das Ungeheure, das uns drückt - Laßt uus alle werden wie die Kinder, Daß nns Bethlehem wie einst beglückt; Daß mit Adlerfittich uns der Glaube Götlerstark emporreißt in das Licht! Was der tückische Feind uns immer raube: Was uus wahrhaft adelt, raubt er nicht!

Hört, o hört in diesen dunklen Stunden, Da Verzweiflung unser Haupt umkreist: Dieses eine heilt die tiefen Wunden, Wenn ihr frevelnd nicht es von euch weist; Wenn euch Wehr und Waffen nicht umschilden. Eins zersprengt der Ketten Eisenhaft: Aus den überirdischen Gefilden Kommt dem deutschen Volke Riesenkraft.

Nicht dem Spott, der welsche Lippen schändet. Öffnet eure gramzerrissenc Brust Laßt hinein, was so viel Grauen wendet: Eurer deutschen Weihuacht reine Lust. Laßt hinein das alte, süße Sehnen, Horcht dein Ruf, der aus deu Himmeln klingt: Schämt euch nicht der heimlich heißen Tränen, Die euch Ehrfurcht iu das Auge zwingt.

Bleibet dcnt s ch ! Ihr könnt nicht widerstehen Dann dem Klang, cius ewigen Höh'n entstammt; Wenn die heiligen Feuer niedergehen, Wird das eisnindrohte Herz durchflammt. Bleibet dentsch! Aus alle» Dunkelheiten Greifet mutig iu des Himmels Zelt! Und der deutsche Geist wird wieder schreiten Stark uud frei und siegreich durch die Welt!

Grenzboten IV 1»2t