WMMWM»
Bücherschau
857
Vücherschau
Literaturgeschichte
Max I. Wolff, Goethe, „Aus Natur und Geisteswelt, Sammlung wissenschaftlich- gemeinverständlicher Darstellungen, Band 497". Leipzig 1921, B. G. Teubner. Preis kart. M. 6.80, geb. M. 3,80. Auf hundert Seiten einen „Goethe" schreiben, bedeutet weit mehr noch als eine ausführliche Biographie ein Wagnis und persönliches Bekenntnis und kann keine eigentliche „Einführung" sein. Wolff unterschätzt deshalb den Gedankenreichtum seines Büchleins und überschätzt vielleicht das Publikum, wenn er die Schrift für eine „erste Einführung" für geeignet hält. Es scheint uns mehr ein ungewöhnlich gelungenes, durch gesunden Sinn wie gedrängte Formulierung ausgezeichnetes Bekenntnisbuch sür solche Goethe-Leser, die nach Abrundung selbsterworbener Eindrücke suchen. Jahrbuch der Goethe-Gesellschaft, im Auftrage des Vorstandes herausgegeben von Gerhard Gräf. 8. Band. Weimar 1S21. Verlag der Goethe-Gesellschaft. Der neue, in vergrößertem Format heransgekommene Band des Jahrbuchs enthält neben anderen begrüßenswerten und auch manchen nicht unbedingt notwendigen Aufsätzen und Veröffentlichungen als Wohl wertvollste Gabe Julius Petersens diesjährigen Weimarer Festvortrag über Schiller und das Weimarer Theater. Manuel Schnitzer, Goethes Joseph-Bilder, Goethes Joseph-Dichtung. 1. bis 6. (I) Auflage. Hamburg 1921, W. Gente wissenschaftlicher Verlag. Geb. M. 26.—. Joseph und kein Endel Der Unfug, des Publikums geringe Goethe-Stunden auf den Joseph zu lenken und derartige Abhandlungen gleich in fünf Auflagen auf einmal zu verbreiten, ist deshalb so groß, weil der Joseph, selbst wenn er von dem Schüler Goethe stammen sollte, was sehr unglaubhaft ist, dennoch ein elendes, des Lesens unwertes, des Verbrennens würdiges Schülermachwerk ist und bleibt. Schnitzer strengt sich an, aus den Joseph-Bildern Goethes einen Beweis für die Echtheit der Josephsreimerei zu
führen. In der Dideskalia (Beiblatt der „Frankfurter Nachrichten" Nr. 385 vom 31. Juli 1921) hat der Leiter des Frankfurter Goethe-Museums, Prof. Dr. O> Heuer, die „Beweise" Schnitzers bestritten.
Adolf Trendelenburg, Erklärung von Goethes Kaust. Der Tragödie zweiter Teil in fünf Akten. Berlin 1921, Vereinigung wissenschaftlicher Verleger, Walter de Gruyter u. Co. Geh. M. 60.—, geb. M. 70.—.
Nach sorgfältigen Vorstudien, niedergelegt in einem 1919 im gleichen Verlage erschienenen Werk „Zu Goethes Faust" tritt Trendelenburg nun mit einer kommentierten Ausgabe hervor, und zwar zunächst mit dem zweiten Teil. Diese modernste Ausgabe dient dem Leser gründlich, anschaulich und bequem und befriedigt voll das Bedürfnis nach einem Kommentar, das so ziemlich jeder Neuling gegenüber dem zweiten Teil deS Faust empfindet.
Alois Stockmann S. I., Die deutsche Romantik und ihre ersten Vertreter. Freiburg i. Br. 1911,Herder u. Co., G.m. b. H., Verlagsbuchhandlung. Preis M. 22—, geb. M. 27.—.
Dem jesuitischen Literarhistoriker liegt bei der Schilderung der Frühromantiker (Novalis, Tieck, von Schlegel) vor allem natürlich an der religiösen, insbesondere katholi- sierenden Bedeutung der Sehnsucht nach der blauen Blunie.
Alfred Meißner, Die Matratzengruft. Erinnerungen an Heinrich Heine. „Die Batik Bücher", 4. Band. Stuttgart 1921, Robert Lutz. Preis M. 15.—. Der bekannteste Bericht über Heines letzte Jahre, ihre beiden Frauengestalten ins« besondere, aus Alfred Meißners Selbstbiographie von Weberknecht ausgezogen und eingeleitet.
Etta Federn, „Friedrich Hebbel". Delphin- Verlag, München.
Eine Biographie, welche sich um wirksame Selbstzeugnisse Hebbels rahmt, sie durch