Romane und Novellen als Weihnacht-gaben >; >
Romane und Novellen als Weihnachtsgaben
Bericht von j? anl Burg
anches Besondere und Ungewöhnliche weiß uns dieses Jahr der Büchermarkt zu bieten. Greifen wir gleich mittenhinein in di? Fülle der Gaben! Da ist unter den Schweizerdichtern, die sich ja seit Jahren einer stets zunehmenden Beliebtheit im deutschen Leserpublikum erfreuen, einer der feinsten Köpfe und stillsten Herzen: Heinrich Federer mit einer Erzählung, die er der verwundeten Seele der heutigen Menschheit hinbreitet. Einen tröstlichen Fingerzeig will er geben, einen kleinen Finger nnr, „aber auch ein kleiner Finger kaun richtig und weit, weithin zeigen!" Sein Blich „Spitzbube über Spitzbube" (G. Grote, Berlin) malt die kraftvollen Schweizer zu Ausgang des 15. Jahrhunderts nnd wird die große Verehrerschar Federers baß überraschen. Historisch ist ja im Roman die — große Mode, dem, die Ernsthaften im Lande kehren sich gern ab von unserer krausen und grausen Gegenwart, weilen gern in ferngelebten Zeitaltern. Da hat Willi Hirt, ein neuer Mann des Bergstadtverlages i» Breslcm, einen kosmischen Roman „Die Harmonie der Welt" geschrieben, welcher Kepler als Helden und die Zeit eines Rudolf II., Tycho Brahe", Wallenstein Wohl zu gestalten weiß. In fast dialogloser Beschreibung! Noch mehr als dieser Dichter, nämlich ganz und gar auf jedes Zwiegespräch in seinem Roman verzichter Kaspar Ludwig Merkl, ebenfalls ein neuer Mann, den der Dom-Verlag in Berlin mit einem gehaltvollen Erstling „Die Geige in Gottes Hand" einführt. Es ist etwas Seltsames, fast Symbolisches um dieses stille und dabei doch haudluugsreiche Buch von jenein Michel, der mit viel Ohrfeigen aufwuchs, ein Lump wurde und hernach ein reicher und ein armer, 'letzlich ein beseligter Manu war. Ein ungewöhnliches Buch, das ich unsern Unreifen und Halbstarken in die Hand gegeben wissen möchte, allen jenen ein wenig haltlosen Burschen und Mädchen, die in Kriegsjahren ohne Väterzucht der Mutter über den Kopf wuchsen, jetzt der strammen militärischen uud beruflichen Zucht vollends entbehren und auf dem besten Weg sind, zu verlumpen. Ein höchst zeitgemäßes, erzieherisches Buch!
Zu den ungewöhnlichen Weihnachtsgaben zähle ich dann weiter das neu« Buch von Hermann Horn, der einstmals die Meere als Matrose befuhr und sich eine überaus scharfe Veobachtungs- und Schilderungsgabe mit nach Hause brachte. „Tage nm ein Schloß" (bei'Egon Fleischel, Berlin) sind wiederum erfüllt davon. Menschen ihrer Landschaft erleben wir hier und einen Künstler inmitten, unbehaust. Neben diesen einstigen Matrosendichter stelle ich einen alten Soldaten, den gleichfalls Egon Fleischel verlegt. Er heißt: Karl Goldmann, geberdet sich als Satiriker und hat bisher erst einen Novellenband gebracht. Nun gibt er in „Numa" den Roman eines Soldaten und einer Hündin 1915 im serbischen Feldzuge. Bücher von Tieren und über Tiere waren die gestrige Mode, der viele nachliefen. Diese Dichtung reicht weit darüber hinaus, denn ihr Schöpfer vereinfacht uns Welt, Mensch nnd Tier auf eine einfache Gleichung, die an ein großes Werk der Weltliteratur gemahnen läßt, den Grimmelhausenschen Simplizissimus. Mancher wird nicht mit den politischen Ansichten in „Numn" einiggelm. Ebenso stehts mit dem dritten Roman aus der Spätkriegszeit „Das Marienwunder" von Hans Christoph Kaergel, einem jungen Dichter. Grethlein (Leipzig) hat ihn in den Kreis seiner Autoren gezogen. Ein geistig beschränktes Mädchen in einsamem Wildwärtcrhäuschcu erlebt den Heldentod ihres Bräutigams so überaus tief, daß es selber dem Wahnsinn verfällt und Vater, Schwiegervater bis an dessen Rand bringt durch eindrucksstarke Phantasmagorien, die jeden Leser überwältigen werden. Mitten da hinein spielt der Ausbruch der Revolutiou im Walddorfc, wie ich ihn in solcher Plastik auf engstem Raume auch noch nirgends gelesen habe. Prächtig eindringlich versteht Kaergel zu schildern, auf eine ganz neue Art, die oft wie Offenbarling wirkt, ganz zeitlos wird, Hier ist ein Werdender von großartigem Wurf!