vom Weihnachtsbttchsrtisch
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Vom Weihnachtsbüchertisch
Bericht über neue Romane von Paul Burg
ehr reichhaltig bestellen uns Heuer wieder Erzähler und Verleger unsern Gabentisch zum Feste. Da ist gleich zuerst wieder Walter Bloem mit einem neuen Romane auf dem Plan erschienen. Kam er uns noch voriges Jahr in schwerem historischen Rüstzeug des Würzburg im Mittelalter („Gottesferne") und überraschte durch seine verblüffende Gründlichkeit in der Kenntnis mittelalterlicher Strategie, so hat er jetzt den Weg zur jüngsten Vergangenheit zurückgefunden. Das um die Wende von 1918/19 arg von den Kommunisten umkämpfte Golha schildert er uns, malt aus, wie im dortigen Hoftheater der feudale Intendant mit dem alten Regime zugleich stürzt und — seine Geliebte, ein talentvolles bildschönes Mädel aus dem Volke ans Ruder kommt, sich durchkämpft und schließlich mitten in den Waffenstreit der Männer, in Beschießung und Handgranatenkampf gerät, während drüben im benachbarten Weimarer Theater die deutsche Nationalversammlung verfassunggebend tagt. Es sino heiße Tage und heißflammeude Menschen, die Walter Bloem hier mit dem ganzen Feuer seiner vielgewandten und bewährten Erzählerkunst dem Leben nachschafft. Junge und alte Soldaten, Männer und Frauen im Vaterlande werden ihm für die heißblütige und sieghaste „Herrin" (Grethlein K Co., Leipzig) großen Dank wissen. Nicht weniger unmittelbar aus dem Leben geholt ist ein anderer Volksroman „Königin Heimat" (L. Staackmann, ^/lpzig), den Rudolf Greinz als seine jüngste Gabe beut und in dem er eine Tiroler Säugergesellschaft in Aufstieg, Glanz, Erfolg und Untergang erschütternd zu schildern weiß. Ein überaus eigenartiges und wohlgelnngenes Buch, worin der Tiroler Greinz Töne anschlägt, die dem Leser oft das Wasser in vie Augen treiben. Denen, die da meinten, er habe sich mählich ausgeschrieben und werde kaum noch Neues und Vollwertiges bieten, präsentiert er sich erneut als ein ganzer Kerl. Eine andere Überraschung will ich gleich hierneben vermerken, sie kommt ebenfalls aus dem Staackmcmnverlage und heißt: Alfred H u g g e n b e r g er. Dieser feine Schweizer Bauerndichter, von dem wir wohl wußten, daß er auch sehr tiefempfundene Verse neben seinen prächtigen Romanen SU machen versteht, hat sich unter die Leute vom Schlage eines Wilhelm Busch begeben und bringt zur heurigen Weihnacht ein schlankes Büchel Ergötzlichkeiten in bebilderten Reimen unter dem Titel „Der Hochzeitsschmaus". Die Verse sind von ihm, die Bilder von Hans Witzig. Und das Ganze ist köstlich I Wie abwechselungsreich ist der Büchermarkt I Stellt nur neben jenen Busch-Huggenberger das stilvolle Heimatbuch, welches Kar! Wehrhan in Detmold als vierten Band der dvrt in der Meyerschm Hofbuchhandlung (Max Staercke) erscheinenden überaus wohlfeilen, gediegenen und auch äußerlich so schmucken Hermannsbücher herausbrachte : Das Küsterhaus, eine Erzählung aus dem Teutoburger Walde nach dem Englischem aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Diese Hermannsbücher erwerben sich um die Pflege des heimischen Volkstums ein nicht geringes Verdienst, weshalb auch auf die übrigen Bände: An den Externsteinen. Der Hexenrichter von Lemgo. Eiserne Zeit. Aus stillen Winkeln — nachdrücklich hingewiesen sei.
Heimatliebe! predigt ganz und gar das neuste Buch des Allerweltsbummlers und ALeskönners K. H. Strobl „Die alten Türme" (Staackmann, Leipzig), worin er wieder zu seiner Heimat Jglau zurückkehrt und uns mit innigem Behagen und kostlichem Witz das schnurrige Kleinstadtvölkchen malt, darüber hinaus aber auch hmaufgreift zu den großen Fragen des Seins und Werdens. Wenn der phantastische Strobl in seine deutsche Hemmt an der Ostgrenze einkehrt — wie noch letztens in seiner Selbstbiographie — so ist er wahrhaft ganz er selber, ein kurioser Unheiliger, eiu bißchen Spitzwcg und ein bißchen Naabe.