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Die Herbsttagung der Gesellschaft für freie Philosophie vom 25. bis 30. Septemberg 1921
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Altes und neues Heer

Das vorkonfuzianischeBuch der Wandlungen" machte Dr, Richard Wilhelm ans Peking zum Ausgangspunkte semer beiden Vorträge:Die Wandlungen iu der Natnr" undDie Wandlungen im Menschenleben", mit denen die Tagung schloß. Was ist Wirklichkeit? Für den organisch, nicht mechauisch und kausal denkende» Chinesen besteht die Wirklichkeit und ihr Werden nicht aus eindeutigen, toten, streng begrenzten Kräften, sondern aus lauter mehrdeutigen Übergängen, deren jeder Keimhaftes und Absterbendes, Neues und Altes nebeneinander enthält. Und was ist ein Weiser? Weise ist, wer dies weist, wer erkannt hat, daß alles in der Natur und im Leben seine zwei Seiten hat, daß er die Wahrheit nicht haben kann, ohne sie mit Irrtum bezahlen zu müssen, daß er Unglück für Glück, Wandelbarkeit auf der Oberfläche für Be­harrung in der Tiefe in Kauf nehmen muß, . Der Weise ist darum nichts weniger alsabgeklärt" undgesetzt", sondern im Gegenteil in fortwährender Bewegung, weil allein die Anpassung au den Wandel der Zeiten die Erfassung des ewig gleichen Weltsinnes und dessen Einklang mit dein Handeln verbürgt. In der Synthese von Chinas tiefer Erkenntnis und Europas Aktivität, Konfuzianismus und Christentum sah Richard Wilhelm unsere geistige Zukunft,

Es ist natürlich, wenn die gelungene Tagung bei allen Teilnehmern den Wunsch erweckte, im kommenden Frühjahr diese Woche philosophischer Einkehr und Sammlung zu wiederholen. Indes verbieten die ungeheuren Kosten und die steigende Geldentwertung eine neue Veranstaltung vor Herbst 1922. Sollen doch die einkommenden Gelder ihrem Hauptzweck, der Heranbildung und Vertiefung der künftigen Führer unseres Volkes, die nicht selten unbemittelt sind, erhalten bleiben. Denn darin liegt ja die Bestimmung derGesellschaft für freie Philo sophie": keinen Berein zu bilden, sondern Träger der Stiftung zur Erhaltung der Schule der Weisheit als der Pflanzstätte des neuen Menschen zu sein.

Altes und neues Heer

von einem jungen Frontoffizier XIV. Soldaten nach der Aappzeit")

zer General der Republik: . . . (Nach der Kappzeit.) Der General a. D. läuft hastig und wuchtig in seinem Arbeitszimmer, vollge­stopft mit Kriegserinnerungen und militärwissenschaftlichen Büchern auf und ab. Seine Hände greifen in die Luft, impulsiv, im Tatendrang, im unbefriedigten.

Ich bin noch jung mit meinen 56 Jahren. Meine Kraft liegt brach. Muß wieder schaffen. Menschen erziehen, Deutsche erziehen, Sol­daten sehen und führen. Was ist mir das Leben ohne Tätigkeit! Ich weiß eine Aufgabe für mich.

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*) Aus Tagebüchern von Alltagsmenschen in ihrer Unklarheit, nicht von heroischen in ihrer Zielklarheit.