Ausgegebe« am 19. November 1921
„Möchten die Teutschen ine vergessen, was den Befreiungskampf notwendig machte und wodurch sie gesiegt."
König Ludwigs I. von Bayern Inschrift an seiner Kelheimer Befreiungshalle.
Gin bayerischer Aöni« von Frankreichs Gnaden?
Von Fritz Kern ^. Bayerische Erinnerungen
m Jahre 1647 trennte sich Kurfürst Maximilian von Bayern vom Kaiser und versuchte durch einen Sondervertrag mit Frankreich zu Ulm seinem Lande Sondervorteile zu sichern. Der Erfolg war, daß Deutschland und Bayern mit ihm mehr litt und im folgenden Jahre das Elsaß abtreten mußte. Im Jahre 1704 zogen die bayerischen Soldaten unter französischein Obei> befehl in die Schlacht von Hochstädt gegen den deutschen Kaiser, weil Kurfürst Max Emanuel dynastischem Ehrgeiz folgte. Der Erfolg war, daß der Kurfürst in die Verbannung nach den Niederlanden fliehen mußte und der Kaiser sein Land wie ein erobertes besetzte.
Um den Glanz der Wittelsbacher zu mehren, zog Kurfürst Karl 1741 seine tapferen Bayern abermals unter französischen Fahnen zusammen, ließ sich zum König ausrufen und zum Kaiser wählen, mit dem Erfolg, daß sein Land von den Österreichern eingenommen wurde. Er selbst, ein Kaiser ohne Macht und Ruhm, saß im Exil und verglich sich mit Hiob.
Von 1805 bis 1813 vermischten sich abermals Blut und Kriegsglück des bayerischen Stammes mit dem der Franzosen. Die Bayern mußten Andreas Hofer jagen und jene 30 000 Tote auf den russischen Schneeflächen lassen, denen in München der Denkmalobelisk auf Hammelköpfen mit der Inschrift gesetzt ist: „Auch sie starben für das (für welches?) Vaterland." Das süddeutsche Rheinbundglück war es, „was den Befreiungskampf notwendig machte", und die schließ- liche Unterordnung der Partikularwünsche war es, „wodurch die Teutschen siegten". Grenzboten IV 1921 16