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Die unbußfertig Nation :
(zum neunten November)
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Ausgegeben am 12. November 1921

Wir haben alle schwer gesündigt. Wir mangeln allesamt an Ruhm, Man hat, o HerrI uns oft verkündigt, Der Freiheit Evangelium; Wir aber hatten uns entmündigt. Das Salz der Erde wurde dumm; So Fürst als Bürger, so der Adel, Hier ist nicht einer ohne Tadel.

Max v. Schenkendorf, Beichte,

Vie unbußfertige Nation

(Zum neunten November) von Fritz Aern

ir Lebenden büßen unsere Nationalfehler, die Hinterlassenschaft von sechzig Geschlechtsfolgen, jäher und härter als ein anderes Volk die seinen. Aber von dieser Buße ist noch zu wenig ins innerste Herz gedrungen. Der Landmann wie der Fabrikzugehörige, der Händler wie der Angestellte beschäftigen sich mit der stets erneut notwendigen Ungleichung ihres Einkommens an die rinnende Papiermark, aber sie bedenken zu wenig die UnHaltbarkeit jeder erstrebten oder vorgetäuschten Privatwohlfahrt in dem allgemeinen Lebenszerfall unserer Volksgemeinschaft, dessen bloßes Symptom die vom Feind erzwungene Papierzerrüttung ist. Nicht wenige denken vielleicht an das Ende mit Schrecken, das jede Währungs- krise, wie die unsrige, vor dem unvermeidlichen Rückschlag in Hartgeldwährung genommen hat; aber kaum der Tausendste beschäftigt sich mit der Vorstellung, daß die Heilung der Wirtschaft und Finanzen unmöglich ist ohne Heilung unserer Knechtschaft und verstümmelten Grenzen, und diese wiederum unmöglich ohne Aufschwung der Nation vom privaten zum gemeinschaftlichen Ziel, vom Geist des Verdienenwollens zum Geist des Jrentums. Nur in dem versinkenden Mittel­stand finden wir, inmitten seines Ringens gegen hoffnungslose Entwurzelung, als seine vornehmste Kraft noch den Glauben an ein dereinst wieder leuchtendes Grenzbnten IV 192t 13