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Deutschland der Schuldknecht
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Ausgegeben am S. November 1921

Wenn der Krieg vorbei ist, wird es kein Deutsch­land mehr geben. Wir werden das Schauspiel eines mittleren Europas sehen, das als ein Besitztum zum Nutzen Frankreichs, Rußlands, Italiens, Serbiens, Süd­afrikas, Indiens und Belgiens verwaltet wird."

Rudyard Kipling, 6. Februar

Deutschland der Schuldknecht

von Fritz Rern 1.

ls der Baron Eckardtstein nach dem Verlust Oberschlesiens bei seinem Gönner Lord d'Abernon vorsprach, fand er ihn rein aus- gewechselt. Während früher der britische Prokonsul der Wilhelm­straße die Unteilbarkeit des deutschen Jndustriereviers wie ein Deutscher verteidigte, fragte er jetzt, im Besitz neuer Instruktionen, kühl: worüber eigentlich die Deutschen klagten? Das Wirtschaftsabkommen wäre doch glänzend usw. Da Eckardtstein 1901 nicht in die Lage versetzt war, sein Phantasiebündnis mit Chamberlain zu schließen, folglich damals noch keine Ge- legenheit gefunden hatte, die lange Reihe der dem perfiden Albion enttäuscht Nachschauenden zu verlängern, so sah er sich im Oktober 1921 zum ersten Male während seines Lebens in der Verfassung, die Schuld nicht bei uns, sondern bei England zu finden. Keineswegs bei D'Abernon. Englische Botschafter werden don ihrer das Seelenheil bedeutenden Regierung stets mangelhaft auf dem laufenden Ehalten, wenn vollkommenere Kenntnis in ihrem herzlichen Umgang mit dem betreffenden Lande, das sie lieben und lenken, einen falschen Unterton tragen Müßte.

Wenn Eckardtstein in den letzten Monaten eine gewisse geschichtliche Rolle ^spielt, wenn er mit seinen Hoffnungen auf England bei deutschen Politikern eine gewisse Beachtung gefunden hat, so keineswegs bei diesen aus Begeisterung «der übergroßer Hoffnungsseligkeit. Es steht eben tatsächlich so, daß Umschweife Grenzboten IV 1921 11