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Englische Unzuverlässigkeit und deutsche Politik
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Ausgegeben am 30. Oktober 1921

Ich halte mein Leben lang Sympathie für die Engländer. Aber sie wollen sich ja nicht von uns lieben lassen. Bismarck

Englische Unzuverlässigkeit und deutsche Politik

von Fritz Kern

m Jahre 1300 verlangte der fromme und siegreiche König Eduard I. von England von seinen Kronjuriften ein Gutachten cie verkiäia, ^nZlvrum, über die von den Festländern behauptete Treulosigkeit der Engländer. Sein mittelalterliches Gemüt beschwerten die Weh- und Zornesrufe der Vlmnen und Lothringer, welche, nachdem sie als englische Bundesgenossen gegen Frankreich gekämpft hatten, nunmehr der französischen Rache und Bedrückung preisgegeben waren, weil der Jnseltönig auf ihrem Rücken bequem einen frommen und siegreichen Frieden mit Frankreich schließen konnte. Es gibt gewisse armselige und dennoch wirksame diplomatische Volten, deren Anwendung niemals veraltet. Wenn Deutschland und Frankreich m periodischen Abständen gegeneinander anrennen, wie die zwei Ochsen am Rat­haus zu Ochsenfurt bei jedem Stundenschlag, dann hebt auch die iiäes dritmnnca jedesmal ihre Sense, wie der Todesgenius dieser geschichtsphilosophischen Spieluhr.

Man darf der deutschen Außenpolitik keinen Vorwurf daraus machen, daß sie sich wieder einmal von England hat betrügen lassen. Friedrich der Große wußte Bescheid und nahm doch gezwungen englische Subsidi en. Gneisenau ^vuszte, wie es Friedrich dem Großen ergangen war und wie England uns auf dem Wiener Kongreß betrog, und hat doch bei Belle-Allicmce die Engländer heraus- hauen müssen. Das ist eben, subjektiv genommen, das Angenehme bei der britischen Treulosigkeit, daß die Betrogenen gar nicht dazu kommen, lange oder tief zu grollen. Wir mußten den Hm-gerfolterkrieg, den verteufelten Raub alles deutschen Eigentums in der Welt und all die anderen englischen Kriegsartikel herunter­würgen, und müssen jetzt abermals den ehrenwerten Lloyd George schlucken, der als ein Lawyer der Neuzeit keine Kronjuristen bemühen braucht, um sein Hin- Grenzboten IV 1921 s