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Die Voraussetzungen einer nationalen Sammlungspolitik : ein Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit unseres heutigen Staates zu bestimmen
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Gberschlesien als Freistaat

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handelt sich ja nicht allein um uns, sondern es handelt sich um die ganze deutsche Zukunft. Die Last, die wir unsern Nachkommen mit dem verlorenen KricL und der Revolution aufgcbürder haben, ist schon groß genug. Da müssen wir ihnen wenigstens den Staat als die, soweit geschichtliche Erfahrung reicht, unentbehrliche Grundlage des nationalen Lebens erhalten und müssen die Gefühle, die uns zu einer nach außen und im Innern energischeren und glänzenderen Politik ver­leiten wollen, zurückdämmen. Deun jede Überspannung der Macht des Staates führt unter deu heutigen Umständen zur Gefährdung des Staates überhaupt.

Oberschlesien als Freistaat

von Mentis

seltsam: zu derselben Zeit, da uns die angeblich besonders gut unter­richteten Kreise versichern, die Teilung Oberschlesiens werde nach den Wünschen Englands mit einigen Abänderungen demnächst vollzogen werden, taucht auch der Plan wieder auf, Oberschlesien zu einem Freistaate zu machen. Die Befürworter dieses Planes stellen sich so an, als handele es sich um eine für Deutschland günstige Sache, und zweifellos besteht diese Ansicht bei manchen. In Wirklichkeit ist gberschlesien für uns verloren, wenn es ein Freistaat wird, denn der französisch-polnische Einfluß wird dann dort zweifellos vorherrschend sein, und was wir davon zu erwarten hätten, ist ja zur Genüge bekannt.

Daß sich Deutsche mit dem Plane, Oberschlesien zu einem Freistaate zu Machen, beschäftigen, ohne ihn sofort in schärfster Form zurückzuweisen, ist nur Möglich bei unserer nationalen Schwäche und Waschlappigkeit. Denn sonst müßte doch jeder erkannt haben, daß die Polen (und Franzosen) darin ihre letzte Hoff­nung erblicken. Oberschlesien wäre an Fläche und Einwohnerzahl zu klein, um politische Selbständigkeit sich zu erhalten. In industrieller Beziehung geradezu glänzend gestellt, würde es sich nicht selbst ernähren können, und hier würden die polnischen Machenschaften einsetzen, denen es sicher gelingen würde, eine (ziemlich geringe) Anhängerschaft sich in Oberschlesien zu erhalten. Die Tatsache, daß diese polnische Opposition Oberschlesiens im Auslande eine ganz rücksichtslose Unter- "ützung und Förderung erfahren würde, ist wohl in Rechnung zu stellen. Man erinnere sich der Zustände in den letzten Jahrzehnten bei der polnischen Republik vor IM Jahren; was damals zur Teilung Polens führte, soll in kurzer Zeit den Anschluß Oberschlesiens an Polen herbeiführen. Wir könnten das jedenfalls nicht Andern, denn wir sind militärisch machtlos, und welcher Lügen sich die polnische Propaganda bedienen würde, haben wir ja jetzt erfahren. Da erklärten die pol­nischen Insurgenten:Wir kämpfen für eine gute Sache, wir sind die Soldaten der heiligen Hedwigl". Daß die Herzogin Hedwig sie gründete das Kloster Tabnitz durchaus deutsch gedacht und gehandelt hat, focht die polnischen Aufrührer nicht an. Welche Gewaltherrschaft die Korfcmtyjchen Banden ausgeübt