Altes und neues Heer
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Altes und neues Heer
IX. Aappdämmerung Lrste Festigung
ürgerkrieg und Vagabundieren der Truppe sind beendet. Fester Standort, regelmäßiges Leben, Ausschalten leidenschaftlicher Politik bringen jene Ruhe, unter der Offizier und Soldat aufatmen und die Bedingung für die erste Festigung der Wehrmacht nach der Kampfschule der Freikorpszeit ist. Die geistige Verbindung zwischen Führer und Soldat — naturgemäß im Augenblick auf der Basis der übermächtig gewordenen Politik — verstärkt sich. Denn angesichts der Kommunistengreuel an seinen Kameraden ist auch der „linksstehende" Soldat politisch dem „rechtsstehenden" Offizier näher gerückt. Der schon in der Geburtsstunde der jungen Wehrmacht durch die rauhen Geschehnisse eingehämmerte Klassenhaß — Deutschlands Unglück während des Krieges und für die Zukunft — wird im Interesse der Republik weiter geschürt; denn noch immer droht am Horizont die Kommunistenfaust.
Die militärische Disziplin, unter der Zügellosigkeit, der Gewissenlosigkeit und dem Landsknechtsgeist erschüttert — festigt sich durch systematische, ruhige Einwirkung auf Offizier und Soldat und der gleichmäßige, gegen früher allerdings abgeschwächte Drill, schafft ganz allmählich wieder Soldaten, die ihre egoistischen Instinkte beherrschen und sich in eine höhere Ordnung einfügen. Paraden und Militärmusik, viel Militärmusik, werden Einwirkungsmittel auf Truppe und Bevölkerung: denn der Deutsche liebt den Waffenglanz. Der Einfluß des Offiziers steigt mit dem Exerzierdienst.
Aber eine zwölfjährige Söldnerdienstzeit kann nicht allein mit Drill und Gefechtsexerzieren ausgefüllt werden. Welcher Offizier, welcher Soldat sollte das aushalten? Sport ist der Ausgleich und das einzige Mittel. Mut, Energie, Frische, Schwung und Jugend der Wehrmacht zu erhalten. „Sport erschüttert die Disziplin!" — meint mancher alte Offizier, der mehr Parademarsch und den Sport nur als Anhängsel wünscht. Scheinbar richtig: denn zunächst wird Ringel- reihen, Drittenabschlagen und Ball gespielt. Oder man züchtet „Kanonen" und die große Masse bleibt unlustig, scheu und träge abseits. Zum großzügigen Sportbetrieb fehlen die Mittel. Alles bleibt — wie immer in jener Zeit der großen Geste — bei großartigen papiernen Vergnügungen.
Sport ist auch das einzige Mittel gegen das Austoben und die Ausschweifungen der Sinne und des Trunkes, die für den Soldaten aller Zeiten und Völker typisch sind.
Für den jungen Offizier bietet er die Möglichkeit, zu demonstrieren, daß Jntellektualität und Mehr an Energie die überlegenen rohen Kräfte des Mannes überflügeln können.
Der Sportdienst sieht Kompagnieführer und Rekrut wetteifernd auf gleicher Bahn, schafft Kameradschaft, Frohsinn und Festigung der Truppe.
Da die Unterminierarbeit der deutschen Linksparteien die Festigung illusorisch machen, werden die Formationen aus den großstädtischen Garnisonen in kleinere