326
Französische Kolonialpolitik
General Jeannin, der ehemalige Führer der tschechoslowakischen Legionen in Sibirien, werden, während als Obcrkommandierendcr der Hauptkräfte der tschechische General Divic genannt wurde. Durch Übertragung des Kommandos über die schlesischen Truppen an einen Franzosen sollte ein enges Zusammenwirken mit den französischen und polnischen Kräften sichergestellt werden. Von tschechischer Seite ist das Bestehen eines einer Militärkonvention ähnlichen französisch-polnischtschechischen Vertrages abgestritten worden, an und für sich im Zusammenhang mit den einwandfrei an der Grenze des Leobschützer Kreises festgestellten tschechischen Truppenansammlungen der beste Beweis dafür, daß ein solcher Vertrag tatsächlich besteht.
Das polnische Verhältnis zu Rumänien lag bereits seit dem vorigen Sommer klar. Die gemeinsame Bolschewistengefahr hatte beide Länder zusammengebracht, und die ihnen gemeinsame Freundschaft mit Frankreich hatte das übrige dazu getan. Im Frühjahr kam es im Anschluß an die polnisch-französischen Verhandlungen in.Paris und zweifellos als deren Folge zum Abschluß einer polnischrumänischen Militärkonvention, die sich angeblich nur gegen den Bolschewismus richten soll, deren wahrer Charakter jedoch nach einer Äußerung Take Jonescus, daß den mitteleuropäischen Staaten eine der russischen ähnliche Gefahr vom deutschen Imperialismus drohe, ein anderer sein dürfte.
Die französisch-polnische Militärkonvention und ihre Erweiterung durch den Abschluß von Verträgen mit Tschechen und Rumänen vervollständigt das Bild der von Frankreich gegen Deutschland betriebenen Einkreisnngs- oder besser gesagt Angstpolitik. Sie besiegelt endgültig das Vasallentum Polens einerseits mü> die Herrschaft Frankreichs iri Polen anderseits, bestätigt damit im Grunde genommen nur einen Zustand, wie er schon seit der Wiederaufrichtung'des polnischen Reiches in Europa besteht.
Französische Aolonialpolitik
von O. G. von lvesendonk
ler französische Kolonialminister S a r r a u t hat einem Gesetzentwurf über die allgemeine Verwertung der französischen Kolonien eine dreihundertfünfzig Seiten umfassende Einleitung vorangehen lassen, in der er sein Programm auseinandersetzt. Die schönen Gedanken, die darin dargelegt werden, stimmen leider nicht ganz mit der Praxis überein. Der Kolonialminister spricht von der Zusammenarbeit mit der einheimischen Bevölkerung und erwähnt den moralischen Einfluß der Franzosen, der an die Stelle der früheren Ausbeutungsgedanken kommen muß. Sarrauts Plan läuft darauf hinaus, allmählich französische Dominien zu schaffen, die verhältnismäßig selbständig sein sollen.