Ausgegeben am 2l. September 1921
Mut besteht nicht darin, daß man die Gefahr blind übersieht, sondern daß man sie sehend überwindet. Jean Paul
Deutschlands Einkreisung in West und Ost
Von einer Persönlichkeit, die über gute Beziehungen zu Politischen Kreisen verfügt und deren Angaben sich stets als zutreffend erwiesen, erhalten wir nachstehende Ausführungen:
I. Das französisch-belgische !Nilitä'rabkommen
jie Angst vor Deutschland läßt die Franzosen nicht zur Ruhe kommen. Sie hat dazu geführt, daß das französisch-belgische Militär-Abkommen durch einen Zusatzantrag dahingehend erweitert worden ist, daß Belgien verpflichtet ist, im besetzten Rheinland eine ständige Truppenmacht von mindestens zwei Infanterie-Divisionen und einer Kavallerie-Brigade zu unterhalten, und daß diese Kräfte gegebenenfalls ohne besondere vorherige Abmachungen dem Oberkommando der franzosischen Rheinarmee unterstellt werden können.
Als der von dem Dreigestirn Clemenceau, Lloyd George und Wilson verfaßte französisch-englisch-amerikanische Vertrag gegen Deutschlands angebliche Angriffsabsichten vom 28. Juni 1919 infolge der Weigerung des amerikanischen Senats, ihn zu ratifizieren, nicht zustande kam, wandte sich Frankreichs Aufmerksamkeit in erster Linie dem kleinen Bundesgenossen im Norden zu. Ihn gedachte Frankreich zum Mittelpunkt eines vor dem Westen Deutschlands aufzubauenden Blockes zu machen, der aus einer belgisch-französischen, einer belgischholländischen und einer belgisch-luxemburgisch-französischen Vertragsunion bestehen sollte. Aus diesen Gedankengängen entstand das französisch-belgische Militärabkommen, das im August vorigen Jahres vom Marschall Foch und den beiden Chefs des französischen und belgischen Generalstabs, den Generalen Buat und Magliese, trotz des Widerstandes der Flamen und eiues Teiles der Sozialisten, unterzeichnet worden ist. Eupen und Malmedy waren die Morgengabe, die Grenzboten III 1921 21