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Die Politik der Entente in den Jahren 1908 bis 1914 : ein Beitrag zur Schuldfrage
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Ausgegeben am 14. September 1921

Jeder Staat soll die Bürgschaft seiner Sicherheit allein in sich selber suchen.

Treitschke

9ie Politik der Gntente in den Iahren M8 bis

Ein Beitrag zur Schuldfrage von Vrofessor Dr. Fritz Härtung

ie Frage nach der Schuld am Kriege ist eine Schicksalsfrage für das deutsche Volk. Auf die Behauptung, daß Deutschland den Krieg vorsätzlich herbeigeführt habe, stützt der Bund unserer Feinde den Versailler Frieden, der nicht wie frühere Friedensschlüsse einen Ausgleich unter den Machtverhältnissen der Staaten herbeiführen, sondern Deutschland bestrafen uud zur Strafe vernichten will; noch auf der Lon­doner Konferenz hat Lloyd George anerkannt, daß die wichtigsten Bestimmungen des Friedens von der Schuldfrage abhängen.

Auch inncrpolitisch ist diese Frage von ungeheurer Tragweite; denn der Hauptteil der Schuld, mit der unser altes Regieruugssystem beladen sein soll, be­steht in der Annahme, daß es zur Erlangung der Weltherrschaft mit voller Absicht auf den Krieg losgesteuert sei.

Unter diesen Umständen bedarf es Wohl keiner Rechtfertigung, wenn wir Historiker die Schuldfrage nicht als Angelegenheit der Fachgelehrsamkeit im engen Kreise behandeln, sondern das Interesse der Allgemeinheit dafür in Anspruch zu nehmen wagen. Wir werden damit den methodischen Grundzügeu unserer Wissen­schaft nicht untreu, wollen sie vielmehr gegenüber der Leidenschaft des politischen Kampfes, dem es nicht um die Wahrheit, sondern um Verdammung des politischeu Gegners zu tun ist, wieder zur Geltung bringen. Wir erblicken unsere Aufgabe nicht darin, möglichst rasch zu dem einfachen Ergebnis: schuldig oder unschuldig zu gelangen, sondern wollen mit Rankcscher Objektivität zunächst nur ein Bild da­von geben^wie es eigentlich gewesen".

Grenzboten III 192t 19