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Der nächste Krieg
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Der nächste Krieg

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Der nächste Arieg

von H. L. Mencken (Baltimore) I.

ie sicherste Methode, einen Krieg herbeizuführen, ist offenbar folgende: man beweist, daß er im Widerspruch mit den großen ethisch-kosmischen Gesetzen stehen würde, die Sonnenuntergänge, das Lachen kleiner Kinder und alle lieblichen Abarten von Rosen und bösartigen Geschwülsten erzeugen, und daher vernünftiger­weise nicht stattfinden kanm Dieser segensreiche Prozeß arbeitet jetzt glänzend auf einen Zusammenstoß zwischen den beiden großen Reichen der Gründer und Wucherer hin, Japan und den Vereinigten Staaten. Dieselbe amerikanische Ver­einigung für internationale Versöhnung, die im Frühling 1914 einwandfrei dartat, daß ganz Europa in Menschenfreundlichkeit gebadet sei, sammelt jetzt ihre unanfechtbaren Beweise dafür, daß wir und die Japs nicht miteinander raufen dürfen und sollen. Und an dieser segensreichen Tätigkeit beteiligen sich auch eine Menge geringerer Weltverbesserer, Seher von Gesichten, Shakers, Spießbürger, menschlicher Rettungswagen, Chautauquaner, Bringer von Votschaften und Einbalsa­mierer der Gesittung. Ich bezweifle, daß es in unserer Republik einen Leitartikler gibt, der nicht wenigstens einen Leiter übcr den Gegenstand geschrieben hat, und daß ein einziger solcher Artikel verfehlt hat, die kommende Keilerei als undenkbar zu schildern.

Nichtsdestoweniger melden meine Agenten im fernen Osten, die sich bisher als sehr vertrauenswürdig erwiesen haben, daß der Zweifel an der Unmöglichkeit der Sache im geometrischen Verhältnis zunimmt, je näher man dem wahrschein­lichen Schauplatz des Mordens kommt. Hier an der atlantischen Küste betrachtet jeder ordentliche Mensch im wesentlichen den ganzen Alarm etwa als eine von Hearst fabrizierte Sensation. An der Küste des Stillen Meeres wird die Sache ernsthaft erörtert. In Hawaii erörtert man sie voller Angst. In Australien ist sie der Gegenstand grauenhafter Träume. In Japan, so sagt man mir, arbeiten die Schleifsteine Tag und Nacht und jedes doppelgriffige Schwert nimmt die Schärfe eines Rasiermessers an.

Was mich anbetrifft, so verhalte ich mich neutral das heißt, inbezuq auf die Tatsache: Der Krieg kann kommen, oder er mag nicht kommen. Die Entscheidung darüber liegt bei Gamaliel Harding, nicht bei solchen Würmern wie du und ich. Aber in Ermangelung tatsächlicher Kenntnis dessen, was in den Herzen und Hirnen bedeutender Männer lebt, kann ich wenigstens einer Hoffnung Ausdruck verleihen, und ehrlich gesagt, geht die Hoffnung dahin, daß der Radau recht bald losgehen möchte und zwar im Stile:Schlag ihn nieder und schmeiß' ihn raus." Kurz gesagt, ich trete offen und ohne mich zu schämen für diesen Krieg mit Japan ein und biete jedem, der einen logischen und vernünftigen Ein­Wurf, der nicht auf greisbarer Gefühlsduselei begründet ist. dagegen anführt, ein Exemplar der Völkerbundakte in Kalbsleder gebunden.

II.

Es würde ein Seekrieg sein, und Seekriege bieten prächtige Schauspiele dar. Die Kalifornier, die große Feiglinge zu sein scheinen, was ihre ständige Grenzboten III 192t 16