Ausgegeben am 31. August 1921
Keine Regierung ist für das Landesinteresse so schädlich wie eine schwache. Eine Regierung muß vor allen Dingen fest und energisch sein, nötigenfalls sogar mit Härte vorgehen. Das ist zur Erhaltung des Staates nach außen wie nach innen nötig. Eine Regierung, die an der Neigung krankt, Konflikten auszuweichen, notwendige Kämpfe zu unterlassen und sogar ausländischen Wünschen immerfort nachzugeben, verfällt unrettbar dem Untergange. Sie gelangt sehr bald dahin, sich überhaupt nur noch durch Zugeständnisse erhalten zu können, von denen das eine das andere nach sich zieht, bis von der Staatsgewalt überhaupt nichts mehr übrig ist. Bismarck
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Nationale ^ammlungspolitik
von Professor v. Hermann Jordan, Erlangen
jas deutsche Volk hat in allen seinen Richtungen und Parteien bisher an dem neueingeführten Parlamentarismus keine rechte Freude gehabt. Die parlamentarische Regierungsform hat den Zweck zu . erreichen, daß eine Regierung gebildet wird, die den Wünschen i^Kw»der Mehrheit des Volkes entspricht. Das isi in den zweieinhalb Jahren deutscher parlamentarischer Regierungsform noch bei keiner Regierung der Fall gewesen. Jede der Regierungen war ein Kompromiß. Keine hatte eine wirklich feste ihr innerlich zugetane Mehrheit des Volkes hinter sich. Daher wechselten die Regierungen kaleidoskopartig, so daß wir heute beim fünften bzw. sechsten Reichskanzler innerhalb zweieinhalb Jahre angelangt sind, eine Zahl an Reichskanzlern, die das kaiserliche Deutschland erst in sechsundvierzig Jahren verbrauchte.
Wie kommt das? Es ist doch alles ordentlich zugegangen. Man hat gewählt nach dem ausgedehntesten Wahlrechte, das wohl denkbar ist. Die gewählten Vertreter des Volkes brauchten bei der Regierungsbildung auf keinen Monarchen, auf keinen eigenwilligen Präsidenten Rücksicht zu nehmen, standen unter keinerlei Terror und doch wurde die Regierungsbildung von Mal zu Mal Grenzboten III 1921 1ö