Beitrag 
Was kann uns helfen?
Seite
129
Einzelbild herunterladen
 

Ausgegeben am 7. August 1921

Deutschland besteht nur, wenn es stark ist; ein schwacher Staat würde dem ton» zentrischen Druck erliegen. Für einen Staat in Deutschlands Lage gibt es nur die Mög­lichkeit, sich zusammenzuraffen oder zerdrückt zu werden. Friedrich Ratzel

Was kann uns helfen?

von Rhenanus 1, M a ch t?

nter diesen: Titel ist wenig zu sagen. Die deutsche Macht war vor dem Zusammcubruch begrenzt von außen durch die zentrale Lage mit offenen Grenzen zwischen drei mißgünstigen Groß- und einer Reihe von Kleinstaaten. Von innen war sie eingeschränkt durch Unfertigkeiten, die teils in ihrer Jugeud, teils in den Eigenschaften des deutscheu Volkscharakters liegen. Diese ungünstigen Umstände dauern heute verstärkt fort. Die Machtrelation zu der Umwelt ist so sehr verschoben, daß sich unsere augenblickliche Macht zu den uns gegenübersteheuden Mächten über­haupt kaum mehr mit einer positiven Zahl belegen ließe. Die Macht, die uns unmittelbar umgibt, ist durch die französische Hegemonie wesentlich einheitlich gegen uns gerichtet uud wirkt wie eiu Briefbeschwerer auf ein dünnes Blatt Papier. Die Machtverteiluug in der weiteren Welt bietet zwar durch ihre Spal­tung und die Spannungen zwischen den Großmächten auch kleinere» Mächten bedeutende Chancen, nicht aber uns, denn vollendete Ohmnacht ist nicht bündnisfähig nnd wird nicht als Subjekt, sondern höchstens als Objekt gesucht.

Die Art unserer Macht konnte nach unserer Lage und Geschichte in erster Linie nur militärische Macht sein. In ihrer Anwendung lag deshalb etwas' Antipathien Herausforderndes, anch wo sie unbedingt das sittliche Notrecht der Nation vertrat. Das VolkHeer der allgemeinen Wehrpflicht hatte im Innern die staatlich Lauen, persönlich Bequemen, die Unkriegerischen zu Gegnern, außen­politisch gab sie durch ihren strategisch notwendigen Offensivcharakter, durch Grenzboten III 1921 9