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Romain Rolland
Romain Rolland
von A. v. Hartmann.
u den wenigen Franzosen, die dem deutschen Volke die Anerkennung nicht versagten, gehört Romain Rolland, dessen zweiter Band über den deutschen Musiker Kraft unter dem Titel „Johann Christof in Paris" eine Schilderung des „wahren Frankreich", auf dessen Suche sich der Held fortwährend befindet, enthält, die auch unsere Kenntnis französischen Denkens wesentlich bereichern kann.
Den ironischen Hinweis auf das ihn etwas barbarisch anmutende Kraft- meiertum des Germanen, dessen Genialität er sonst unbedingt zugibt, kann der Franzose freilich nicht unterdrücken; Frankreich bleibt für ihn stets die Inhaberin der feineren Kultur; und in der Musik räumt er den Deutschen eine überlegene Stellung ein. Der Roman ist anfangs nur ein Monolog, der sich an den verrotteten Zuständen des literarischen Paris entzündet, erweitert sich aber später, als Christof den jungen zartsinnigen Freund gefunden hat, zum Dialog. Rolland schont seine Landsleute nicht: „es war damals unter den Feinfühligen Mode, in der Musik leise zu reden. Und man tat recht daran, denn sobald man laut sprach, begann man zu schreien. Man hatte nur die Wahl zwischen vornehmer Schläsrigkeit und Schmierenpathos." Trotzdem kommt Christof, nachdem er „den unverschämten Hochmut der heutigen Deutschen" abgelegt hat, zu der Erkenntnis, daß es noch eine zweite Musik in Frankreich gibt, welches er erst so degeneriert findet, daß er schon den Donner der Kanonen rollen hört, die diese „erschöpfte Zivilisation, dies verseuchende kleine Griechenland zerschmettern würden." Aber Rolland weist auch auf die „erschreckende Fäulnis einer Elite des kaiserlichen Deutschlands hin, deren Schändlichkeit noch abstoßender durch Roheit wurde." Im französischen Theater „machte Beredsamkeit das ganze Entzücken des Publikums aus; es hätte sich für einen schönen Vortrag prügeln lassen; es schluckte jede Pille, wenn sie nur mit klingenden Reimen und großen Worten vergoldet war." Die Volkshochschulen nennt Rolland „kleine Bazare verworrener Kenntnisse aus alten Zeiten und Ländern".
Mit Olivier tritt in Christofs Leben das reinste Element innigster Freundschaft zwischen zwei von Grund auf guten Menschen. Man wird unwillkürlich an Montaignes Freundschaft für Etienne de la Boetie erinnert. Olivier vermittelt Christof die Kenntnis des wahren Frankreich. Er spricht von den einsam schaffenden Künstlern, die sich in der Stille verbrauchen, den wahrhaftigen Seelen, die in „armseligen Behausungen in Pariser Mansarden, in der stummen Provinz leben, die ein ganzes bescheidenes Leben lang an ernste Gedanken und täglichen Verzicht gebunden sind; ihr Tun ist unscheinbar und doch liegt in ihnen die ganze Kraft Frankreichs, die schweigt und dauert, während die, welche sich die Auslese nennen, unaufhörlich verwesen und durch Neuankömmlinge ersetzt werden. — Hast du jemals etwas von unseren heroischen Taten erfahren von den Kreuzzügen bis zur Kommune? Hast du jemals das Tragische im französischen Geiste erfaßt?
Im allgemeinen wird die Politik nicht berührt; nur einmal als ein Krieg mit Deutschland in Sicht kommt, der natürlich von uns vom Zaun gebrochen wird, da macht der Pazifist Olivier dem verblüfften Christof klar, welches „Ver-