Beitrag 
Stätten der deutschen Sage
Seite
273
Einzelbild herunterladen
 

Stätten der deutschen Sage

273

MM

W

Stätten der deutschen 5age

von Dorothea G. Schumacher > e chichte verschwimmt allmählich zur Sage Sage verflüchtigt sich zum Naturmythos. Das Märchen ist der dem Verständnis des Volkes angepaßte Naturmythos oder es ist verkleinerte, ausgeschmückte, familiär dargestellte Sage; dies gilt von den echten Märchen, wie zum BeispielDornröschen" undSchneewittchen", in denen man die Herkunft vom Naturmythos am deutlichsten wahrzunehmen vermag.

So enthalten Sage und Märchen aber auch meistens Kerne fernen, wirk­lichen Geschehens; sie sind ausgeschmückte Überbleibsel von längst Vergessenem. Oft überwuchert die Ausschmückung so stark, daß der wahre Kern kaum noch darin zu finden ist.

Schon Karl der Große und die ihn umgebenden Personen erscheinen halb als sagenhafte Figuren; vieles in ihrem Wesen und Tun wird ungewiß und willkürlich ausgemalt. Die geschichtlichen Beweise und Anhaltspunkte fehlen in der Schilderung der Person. Andererseits ist sein Leben und Wirken geschichtlich mannigfach verbürgt. Auch Armin, der Befreier, erscheint als Sagenfigur, denn man weiß nicht einmal gewiß, ob er auch von seinen StammesgenossenArmin" genannt wurde. Manche nennen ihnHerrmann", andere verknüpfen ihn mit der mythischen Figur des Siegfried, wollen ihn zum Begriff des Befreiers von Winter und Kälte auflösen dagegen machen römische Geschichtsquellen sein menschliches Dasein (als schlauer, rümpfender Cherusker) unzweifelhaft. Die Sage idealisiert und es gibt noch immer Köpfe, die eine kleine Wirklichkeit zur großen UnWirklichkeit verflüchtigen, um sie mit allen Attributen erhabenen Heldentums ausstatten zu können.

In der Gegend von Detmold sangen vor Jahrzehnten noch die Kinder ein

Liedchen: ^- » ^

Härmen, slo Lärmen,

La pipen un brummen. De Kaiser is kummen, Mit Hammer un Stangen, Heft Varus uphangen. Man will das Lied als Erinnerung an Armin darstellen. Die einzige Berechtigung hierzu läge in dem Namen Varus allein dieser ist von dem Sammler des Liedes in dieses hineingebracht worden.

Nach Mommsen ist die Ortlichkeit der Hermannschlacht das Venner Moor, nahe Osnabrück; es bestehen daneben noch mehrere andere Meinungen.

Sehr viele Sagen sind Nachklänge unterdrückten Heidentuines und Vor­stellungen aus heidnischer Götterwelt, unter christliche Namen verborgen. Die Sage der Weißen Frau ist fast allen alten Geschlechtern gemeinsam und scheint zu beweisen, daß diese Erscheinung die Personifikation einer heidnischen Unglücks­gottheit oder eines warnenden Dämonen darstellt.

In zahlreichen Fällen schwebt die Sage hartnäckig an Orten, an denen dann auch irgend eine Ausgrabung gemacht wird. Viele sogenannte Depotfunde sind gehoben worden, wo der Volksmund von versunkenen Schätzen wisperte. Wren^boten II 1921 17