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Albrecht Dürer
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Albrecht Dürer

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Albrecht Dürer

von Walter Elchi

^rieg, Seuche, Hunger. Tod, die vier unheimlichen Reiter aus der Offenbarung St. Johannis, die alles Leben unter dem Hufschlag ihrer Rosse zermalmen, sind auf das deutsche Volk losgelassen. Dürers Holzschnitt zu dieser Stelle der Apokalypse mag manchem als ein Bild erscheinen, das den Zustand unserer Zeit wider­spiegelt. Mancher mag sich selbst mitten in der Schar der ohnmächtig zu Boden Stürzenden sehen.

Aber wir, die den zertrümmerten Bau des Reiches wiederaufrichten sollen, müssen uns ein anderes Bild vor Augen halten, Dürers eisengepanzerten Ritter, der Tod und Teufel trotzt. Will das deutsche Volk am 21. Mai in würdiger Weise des alten Meisters gedenken und den Geist des Toten wieder aufstehen lassen zu gegenwärtigem, Taten schaffenden Leben, so muß eine Betrachtung seiner Werke von diesem Bild ausgehen, das schon während des Krieges unser treuer Begleiter war und von den Kleinmütigen gar zu schnell vergessen worden ist.

Kampf war die Losung seines Künstlerlebens. Unermüdliches Ringen mit der Form und den Ideen, ein faustischer Drang nach Erkenntnis, tiefgründiges Grübeln nach den Richtlinien seiner Kunst, mit diesen Zügen steht er als echter Deutscher vor uns. Hineingestellt in eine Zeit, in der dem erstaunten Menschen auf Schritt und Tritt neue, nie geahnte Dinge entgegentraten, wandte er sich ab von derFalschheit im Gemäl", die er bei den älteren Meistern mit scharfem Blick erkannte, und wurde ein Bahnbrecher des neuen Kunstwollens. So sehen wir ihn unablässig bemüht um eine richtige, mit der Wirklichkeit in Einklang stehenden Darstellung der Dinge, um ein Schönheitsideal des menschlichen Körpers, das über die Zufälligkeiten der Natur hinausstrebt und in einem Kanon seinen Niederschlag findet, um eine durchsichtige Anordnung des Bildinhaltes, bei dem das wirre Durcheinander der gotischen Meister geklärt und geläutert ist.

Diese auf italischem Boden gewachsenen Anschauungen, die sich Dürer mit der ganzen Kraft seiner Seele zu eigen machte, vermochten trotzdem nicht, !sein angestammtes deutsches Kunstempfinden völlig in ihren Bann zu schlagen. Seine Werke bleiben, von wenigen Ausnahmen abgesehen, voll von heimlicher Gotik. Namentlich in seinen Holzschnitten läßt er seiner Freude an der Mannigfaltigkeit der Erscheinungen, seiner Liebe zur Einzelform freien Lauf, und in den Ranken und Schnörkeln, die er im Gebetbuch Kaiser Maximilians neben seine aus der Buntheit des Lebens geschöpften Zeichnungen setzt, scheint die alte germanische Kunst des Ornamentes fortzuleben.

Aus dem tiefsten Grund seiner Seele sind seine Werke entsprungen. Kein Künstler hat die rauschende Phantastik der mystischen Apokalypse mit solcher Innerlichkeit erfaßt und mit solchem dichterischen Empfinden gestaltet wie er. Seine Blätter sind keine äußerliche Wiedergabe des Textes, sie sind durchschauert von den fieberheißen Gesichten der Schrift und so kühn und gewaltig wie diese. Hält man die apokalyptischen Reiter von Cornelius neben den Holzschnitt Dürers, so wirken sie trotz ihres brausenden Ansturmes, trotz der schwungvollen Glätte ihrer