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Der oberschlesische Lreistaatgedanke
Im Gegenteil, sie erkennt offiziell den Sowjetstaat als einzige rechtmäßige Regierung Rußlands an, so daß der Gesandte dieser Räuberbande, wie Joffre 1918 von Berlin aus, unter dem Schutze der Exterritorialität die nächste Revolution leiten kann. Freilich hat Sowjetrußland versprochen, sich aller Propaganda zu enthalten, aber nur ganz Weltfremde pflegen dem Worte von Banditen zu trauen. Auf die sonstigen unerhörten politischen Folgen dieser Anerkennung kann ich hier nicht eingehen. Nur so viel sei betont, daß hierdurch und durch die mehr als schwache, unwürdige, charakterlose parteiegoistische und verantwortungs- scheue nachrevolutionäre deutsche Politik wir immer mehr dem Abgrunde entgegentreiben und die Rcichsregierung zusammen mit unsern Feinden in West und Ost zum Schrittmacher der Weltrevolution sich herabwürdigt.
Der oberschlesische Freistaatgedanke
Von Han5 Joachim-Berlin
dem Eindruck des englisch-italienischen Widerstandes gegen die französisch-polnischen Raubpläne in Oberschlesien hat eine rege » M Propaganda für den alten, überholten oberschlesischen Freistaats-
gedanken sowohl in Oberschlesien selbst wie im Ausland ein- gesetzt. Der Warschauer Korrespondent des „Temps" erblickt in einem unabhängigen neutralen Freistaat Oberschlesien das einzige Mittel, um aus der verwickelten Lage herauszukommen, ohne erneut Blut zu vergießen. Es sei, nachdem einmal die Waffen gesprochen hätten, unmöglich, die Zonen genau nach „deutsch" und „polnisch" zu unterscheiden, ohne neue Konflikte heraufzubeschwören. Die beste Lösung sei daher, Oberschlesien weder der einen noch der anderen der beiden Mächte zu geben. Zu gleicher Zeit berichten Pariser Meldungen des „Chicago Tribune", daß in England und Italien der Plan eines selbständigen Oberschlesiens lebhast erwogen werde, um die Gegensätze in der Entente auszugleichen. Erst nach zehn bis dreißig Jahren solle eine erneute Volksabstimmung über das endgültige Schicksal Oberschlesiens entscheiden.
Der oberschlesische Freistaatsgedanke ist unter dem Einfluß der segensreichen Amtstätigkeit des damaligen Staatskommissars Hörsing entstanden. Er fand seine Organisation in dem sogenannten Bunde der Oberschlesier. Seine Hauptvertreter waren neben ehrlichen Leuten, die ihn als Mittel zum Zweck der Erhaltung des Deutschtums ansahen, sozialisierungsängstliche Schwerindustrielle und starke Teile des Zentrums. Sie erstrebten mit dem Freistaat Oberschlesien nach Schweizer oder Luxemburger Muster, beziehungsweise nach dem Beispiel Dcmzigs eine Jnter- Nationalisierung und Unterstellung Oberschlesiens unter den Völkerbund. Sie wandten sich kurz nach der Besetzung Oberschlesiens durch die alliierten Truppen im Frühjahr vorigen Jahres in einer Denkschrift an den Obersten Rat mit der Bitte, in Verbindung mit den Regierungen Deutschlands, Polens und der