Ausgegeben am 22. Mai I92Z
Ich habe gesehen, daß man mit Mut und Willenskraft alles überwindet,
Scharnhorst
Was hat das deutsche Volk aus den letzten sieben
Iahren gelernt?
von Rhenanus
n folgendem werden Sätze wiedergegeben, die man im besetzten Gebiet immer häufiger aus dem Munde einfacher Leute hören kann. Sie zeigen, daß die Erfahrungen unserer Leidensgeschichte nicht vergeblich gewesen sind, und geben denen, welche sich zur Aufgabe gesetzt haben, die Massen national zu erziehen, Anhaltspunkte dafür, wie durch einfaches Aussprcchen handgreiflich gewordener Wahrheiten den Volksversührern Gelände abgewonnen werden kann.
1. „Solange die Verräter und Angeber bei uns ungestraft ihr Haupt hoch tragen dürfen, kann es mit Deutschland nicht besser werden. Der Franzose hat seine Landsleute nie verraten, das haben wir während der Kriegsjahre in Frankreich selbst erlebt."
Selbstsüchtiges Denunzianten- und Verrätertum wird allgemein verurteilt, aber noch hat der gutmütige und schwerfällige Deutsche kein Mittel gefunden, den Verrätern das Handwerk zu legen. Aber auch die Selbstbezichtiger, welche den Standpunkt des Feindes sich zu eigen gemacht haben ohne unmittelbar selbstsüchtige Beweggründe, sondern aus verschwommenem Weltbürgertum oder weichlichem Nachgeben, haben den Resonanzboden in der Bevölkerung verloren. Die Macht der superklugen „Frankfurter Zeitung" und ihrer Geistesverwandten über das Volk des besetzten Gebietes ist im Hinscheiden.
Grenzboten II 1921 10
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